Tierschutz, Ernährung und Gesundheit in Ulm, Neu-Ulm und Günzburg

++ Regional-Meldungen ++ / EHRENAMTLICHER VOGELSCHUTZ

Der NABU sorgt in der Region für Wildvögel

 ·  Regionales Tiere in der Region  ·  10. März 2026  ·  Aus Ausgabe 1/2026, S. 19

Wiltrud Spiecker, Sprecherin des NABU Ulm/Neu-Ulm
Bild: Wiltrud Spiecker

Bald, wenn ab April die ersten Vögel brüten, wird sich Wiltrud Spieckers Haus wieder mit Jungvögeln füllen, die aus dem Nest gefallen sind, nach dem Ausfliegen verirrt haben, von Katzen gefangen oder anderweitig hilfsbedürftig geworden sind. Die Sprecherin des NABU Ulm/Neu-Ulm nimmt solche Kleinvögel, die Leute in ihren Gärten finden, entgegen und päppelt sie fachkundig auf. Ab dem späten Frühjahr singen und flattern rund 30 bis 40 Vögel im Haus der Biologin umher, etwa Meisen, Spatzen, Amseln und Schwalben. Solange die Vögel sie als Ersatzmutter anerkennen, sind sie zutraulich, manchmal sogar regelrecht aufdringlich; wenn sie selbständig werden, werden sie aber in der Regel scheu und vorsichtig. Im Oktober, wenn die Ästling-Saison zu Ende geht, kehrt langsam wieder Ruhe im Hause Spiecker ein, was die Tierschützerin zugleich erleichtert und betrübt.

Die Wildvögel sind ein Schwerpunktthema des NABU. Der Naturschutzbund vertritt deren Interessen auch bei der Stadtplanung, etwa in Neubaugebieten. Hier sind etwa große Glasflächen gefährlich, an denen nach Hochrechnungen in Deutschland etwa 100 Millionen Vögel pro Jahr sterben. Die Stadt ist verpflichtet, den Rat des NABU anzuhören, doch immer durchsetzen können sich die Naturschützer nicht. Auch praktisch schützt der NABU die Wildvögel. Die Mitglieder installieren etwa Nisthilfen für Eisvögel – die man in der Friedrichsau beobachten kann, – Schwalben und andere Vögel. Sie pflegen das Arnegger Ried, ein ehemaliges Moor im Blautal, in dessen feuchten Wiesen sich viele Wildtiere wohlfühlen, beraten bei fledermausfreundlichen Sanierungen und mehr.

Bild: Christoph Bergmann oder Envato oder Waltrud Spieker (Zuordnung im Heft nicht eindeutig)

Zum Mitmachen

Der NABU Ulm/Neu-Ulm sucht ständig Ehrenamtliche, die sich um Nistkästen, Biotope und Wildvögel kümmern.
Info: www.nabu-ulm-neu-ulm.de

++ Regional-Meldungen ++ / AUS DEM GEMEINDERAT

Der Tierschützer im Rathaus

 ·  Regionales News  ·  10. März 2026  ·  Aus Ausgabe 1/2026, S. 19

Bastian Thomas Röhm im Ulmer Rathaus
Bild: Die Vegionale

Mit Bastian Thomas Röhm sitzt erstmals ein Vertreter der Tierschutzpartei im Ulmer Gemeinderat. Der 40-Jährige war eigentlich ein starker Fleischesser, doch nachdem er in der Technikerschule den Film „Earthlings“ gesehen hatte, wurde er über Nacht zum strikten Veganer. Ihm war mit Wucht klar geworden, wie viel Leid und Unrecht in jedem Bissen Fleisch stecken. Nach einigen Jahren Aktivismus in der Fußgängerzone trat der Maschinenbautechniker der Tierschutzpartei bei, stieg zum Vorsitzenden in Baden-Württemberg auf und ergatterte 2024 einen Platz im Ulmer Stadtrat. Seitdem vertritt er die Interessen der Tiere in der Lokalpolitik. Er sieht sich „als Speerspitze, die den Weg ebnet”. Sein Ziel, „die Massentierhaltung abzuschaffen”, behält er im Hinterkopf, aber die politische Arbeit zwingt ihn dazu, moderatere Brötchen zu backen: Er organisiert etwa die Aufstellung von Taubenschlägen, sorgt für den Wildkatzenschutz und kämpft für ein nächtliches Mähverbot für Roboter, um Igel zu schützen.

Nicht alles, was er sich vornimmt, gelingt. So biss er etwa auf Granit, als er die lebende Krippe am Weihnachtsmarkt abschaffen wollte, weil Schafe keine Dekoration sein sollten. Auch sein Vorschlag, eine vegane Speise in der Schulmensa anzubieten, erntete empörten Widerstand. Aber die Amtszeit von Röhm dauert noch bis 2028 – und geht es nach ihm, noch länger. Für den Tierschutz in der Region gibt es genug zu tun.

Zum Mitmachen

Die „Partei Mensch Umwelt Tierschutz“ wurde 1993 als erste Tierschutzpartei der Welt gegründet. Mit 1–2 Prozent bei Bundestags- und Europawahlen ist sie eine der stärksten Kleinparteien Deutschlands; sie ist bereits in einigen Bezirks-, Stadt- und Gemeinderäten vertreten, etwa in Stuttgart, München und Berlin.

++ Regional-Meldungen ++ / TIERSCHUTZ IN DER STADT

Ulm richtet dritten Taubenschlag ein

 ·  Regionales News  ·  10. März 2026  ·  Aus Ausgabe 1/2026, S. 18

Taubenschlag der Tierschutzpartei in Ulm
Bild: Die Vegionale

Stadttauben stammen von domestizierten Felsentauben ab. Sie wurden nicht gezüchtet, um Briefe zu transportieren, wie man manchmal denkt, sondern um schnell Fleisch anzusetzen und viele Eier zu legen. Man hielt sie in Schlägen auf Speichern als Nahrungsquelle, vor allem für arme Bürger. Als während des Zweiten Weltkrieges viele Stadthäuser zerstört wurden, entkamen viele Tauben in die Freiheit. Andere entließ man, als sich die Versorgung mit Nahrungsmitteln verbesserte. Dass die Tauben nicht länger als Futtertiere gehalten werden, ist ein großer, oft verkannter Erfolg der Tierbefreiung. Allerdings sind sie in der Wildnis nicht überlebensfähig. Sie klammern sich daher an die menschliche Zivilisation und picken, was sie in der Stadt finden. Gleichzeitig vermehren sie sich besonders stark, da sie gezüchtet wurden, um viele Eier zu legen. Dies hat in vielen Städten mittlerweile zu Taubennotständen geführt.

So auch in Ulm. Hier nimmt man die Verantwortung an, die Menschen gegenüber den von ihnen geschaffenen Geschöpfen haben. Der AG Stadttauben sowie die Stadtverwaltung richten Taubenschläge ein: Bauwagen, die zu mobilen Taubenhäusern umgebaut sind. In ihnen finden die Vögel artgerechte Nahrung, was auch deren Verdauung sichtbar verbessert. Außerdem ersetzen sie die Eier durch Attrappen, um die Vermehrung zu kontrollieren. Mittlerweile gibt es in Ulm drei Taubenschläge: am Ehinger Tor, in Böfingen und am Deutschhaus. Zwei weitere sind in Planung und werden, hoffentlich, 2026 eingerichtet. Ulm folgt dabei dem Augsburger Modell, das den Tauben freien Zu- und Ausgang aus den Schlägen erlaubt. Im November und Dezember mussten sie wegen der umgehenden Vogelgrippe allerdings in Quarantäne.

++ Regional-Meldungen ++ / STADTPOLITIK

Igelschutz per Allgemeinverfügung

 ·  Regionales News  ·  10. März 2026  ·  Aus Ausgabe 1/2026, S. 18

Ein Igel zwischen Efeu in einem Garten
Foto: Dirk, CC BY 2.0

Ende November brachte der Ulmer Stadtrat eine Allgemeinverfügung für den Igelschutz auf den Weg. Damit reagiert die Stadt darauf, dass der europäische Igel zunehmend bedroht ist, unter anderem, weil die Gärten immer gepflegter, aber damit auch weniger igelfreundlich werden. Ulm wird dadurch zur ersten Stadt in Baden-Württemberg, die Igel und andere Wirbeltiere durch eine solche Verfügung besser schützt. Unter anderem sollen mehr geeignete öffentliche Übernachtungsmöglichkeiten für Igel geschaffen und ein nächtliches Mähverbot für Roboter erlassen werden, da immer wieder Igel unter deren Messer geraten.