Ein Superorganismus auf vier Klauen
Rinder sind wundervolle, sympathische und bildhübsche Geschöpfe. Darum sind sie das Titelthema unserr zweiten Ausgabe. Aber was für Tiere sind sie genau?
Rinder sind wundervolle, sympathische und bildhübsche Geschöpfe. Darum sind sie das Titelthema unserr zweiten Ausgabe. Aber was für Tiere sind sie genau?
Überall in der Region treffen Mensch und Tier zusammen – manchmal zum Wohl, manchmal zum Leid der Tiere. Unsere Karte zeigt einige Highlights, von den Fledermäusen in den Höhlen auf der Alb über den Ulmer Schlachthof bis zum Straußeneiland in Leipheim.
Marsapet, ein rheinländischer Hersteller von Heimtierfutter, leistet Pionierarbeit: Mit MicroBell bietet das Unternehmen das weltweit erste Alleinfuttermittel für Hunde mit mikrobiellem Protein an. Grund genug für die Vegionale, dem Verkaufsleiter Bert Fuhrmann ein paar Fragen zu stellen.
Marsapet, ein rheinländischer Hersteller von Heimtierfutter, leistet Pionierarbeit: Mit MicroBell bietet das Unternehmen das weltweit erste Alleinfuttermittel für Hunde mit mikrobiellem Protein an. Grund genug für die Vegionale, dem Verkaufsleiter Bert Fuhrmann ein paar Fragen zu stellen. Hunde vegan zu ernähren ist umstritten. Sie haben im vergangenen Jahr dennoch eine vegane Linie eingeführt. Warum? Wir haben bereits vor zehn Jahren mit Insektenprotein eine alternative Proteinquelle erschlossen. Wir wollten das schon lange mit einem rein veganen Protein fortführen, hatten aber bis vor etwa eineinhalb Jahren keines gefunden, dessen Aminosäureprofil unseren Anforderungen entsprach. Bei Menschen ist eine rein pflanzliche Proteinversorgung unkompliziert. Sind die Anforderungen bei Hunden höher? Zur menschlichen Ernährung kann ich nichts sagen. Für Hunde veröffentlicht die FEDIAF, der europäische Verband der Heimtierfutterindustrie, Ernährungsleitlinien. Sie beschreiben unter anderem, was ein Alleinfuttermittel beim Aminosäureprofil leisten muss. Das ist für uns die Mindestvoraussetzung. Und diese kann man auch ohne Fleisch erfüllen? Der Hund braucht nicht zwingend Fleisch, sondern die richtigen Nährstoffe. Das in MicroBell eingesetzte Protein verfügt über ein vollständiges Aminosäureprofil. Die Verdaulichkeit der essenziellen Aminosäuren liegt bei über 85 Prozent. Das bedeutet, d
Norwegen und Schottland sind die beiden führenden Lachsproduzenten Europas. Unvorstellbar viele Tiere schaffen es aber nicht mal in den Supermarkt.
Lachs ist der Lieblingsfisch der Deutschen. Nach den aktuellen Marktdaten des Fisch-Informationszentrums (FIZ) lag er 2025 mit einem Anteil von 19,2 Prozent am gesamten Fischverbrauch erneut auf Platz eins, vor Alaska-Seelachs (18,5 Prozent) und Thunfisch (13,9 Prozent). Im Jahr davor waren es laut FIZ-Fischreport sogar 22,6 Prozent. Bei einem Nahrungsverbrauch von gut einer Million Tonnen Fisch sind das deutlich mehr als 200.000 Tonnen Lachs im Jahr. Den wenigsten ist bewusst, dass dahinter eine der schlimmsten Formen der Massentierhaltung steckt, in der jedes Jahr zig Millionen Tiere sterben, bevor sie überhaupt geschlachtet werden. Das zeigen aktuelle Zahlen aus Norwegen und Schottland, den beiden wichtigsten Standorten der europäischen Lachszucht. Norwegen: 110 Millionen verlorene Lachse in einem Jahr Norwegen ist mit Abstand der größte Lachsproduzent der Welt: 2025 wurden dort rund 1,72 Millionen Tonnen Lachs geschlachtet. Das steht im Fiskehelserapporten 2025, dem Fischgesundheitsbericht des staatlichen Veterinærinstituttet, erschienen am 11. März 2026. Er zählt auch die Tiere, die den Schlachthof nie erreichen. In den Brutanlagen an Land wurden 2025 mehr als 43,3 Millionen Junglachse als tot oder getötet gemeldet. In den Netzgehegen im Meer summierten sich die Verluste auf 67,5 Millionen Lachse. 54,8 Millionen davon sind als „tot“ verbucht, der Rest unter „Vernichtung“,
Mehr als 1,5 Millionen Menschen fordern ein EU-weites Verbot der Pelztierhaltung. Die EU-Behörde EFSA bescheinigt den Käfigsystemen gravierende Tierschutzprobleme. Die Kommission verschiebt aber ihre Entscheidung über ein Verbot – und der zuständige Kommissar setzt offenbar auf strengere Haltungsregeln.
Die Europäische Bürgerinitiative „Fur Free Europe“ ist eine der erfolgreichsten ihrer Art: 1.502.319 verifizierte EU-Bürger haben unterschrieben, die nötigen Mindestzahlen wurden in 18 Mitgliedstaaten erreicht. Gefordert wird ein Verbot, Tiere zur Pelzgewinnung zu halten und zu töten, sowie ein EU-weites Verkaufsverbot für Pelz aus Zuchtbetrieben. Im Juni 2023 wurde die Initiative bei der Kommission eingereicht. Was darauf folgte, ist ein Lehrstück der Demokratieverachtung in der EU. Erst ein Gutachten, dann eine Entscheidung Die Kommission antwortete am 7. Dezember 2023 – ohne Verbot. Stattdessen beauftragte sie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) mit einem wissenschaftlichen Gutachten zum Wohlergehen von Pelztieren und kündigte an, bis März 2026 mitzuteilen, ob sie ein Verbot vorschlägt oder bessere Haltungsstandards per Gesetz festlegen will. Das EFSA-Gutachten erschien am 30. Juli 2025. Es behandelt die Haltung von Nerzen, Rot- und Polarfüchsen, Marderhunden und Chinchillas. Als wichtigste Probleme nennt es für alle Arten die Bewegungseinschränkung, das Fehlen von Erkundungs- und Futtersuchverhalten sowie Über- und Unterforderung der Sinne, allesamt eng verknüpft mit Größe und Kargheit der Käfige. Die meisten dieser Beeinträchtigungen, so die EFSA, ließen sich in den heutigen Systemen weder verhindern noch wesentlich abmildern. Klarer kann man es kaum
Sabine Schlegel aus Neu-Ulm hat sich zur veganen Ernährungsberaterin fortgebildet. Im Interview erklärt sie, wie Veganer ihren Bedarf an Calcium und anderen Nährstoffen decken.
Die Neu-Ulmerin Sabine Schlegel ernährt sich seit Mitte der 1980er vegetarisch, phasenweise auch vegan. Beruflich arbeitet sie eigentlich als Medizinstatistikerin, doch aus Interesse und Überzeugung bildete sie sich zur veganen Ernährungsberaterin weiter. Nebenberuflich gibt sie mit Pflanzenköstlich ihr Wissen weiter - etwa an die Vegionale. Wir trafen sie in der Röstschmiede auf Kaffee und Kuchen und stellten ihr einige Fragen zur veganen Ernährung. Etwa zur Versorgung mit Calcium, passend zum Schwerpunktthema Rinder. Hallo Frau Schlegel. Ist vegan automatisch gesund? Nein. Es stimmt zwar, dass eine gesunde Ernährung überwiegend pflanzlich ist. Aber man kann sich mit jeder Ernährungsweise gesund oder ungesund ernähren. Etwa als Pudding-Veganer. Für mich ist der vollwertige Aspekt am wichtigsten, die Ernährung sollte möglichst wenig verarbeitet sein. Wer als Veganer nur zu Fertigprodukten greift, lebt auch super ungesund. Warum sind Fertigprodukte pauschal ungesund? Fertigprodukte sind nicht pauschal ungesund. Aber bei hochverarbeiteten Lebensmitteln wird oft etwas Gutes weggenommen, etwa Ballaststoffe und Vitamine, und etwas Ungünstiges zugesetzt, zum Beispiel Zucker, billige Fette und Konservierungsstoffe. Wenn ich Fertigprodukte weglasse, bin ich dann auf der sicheren Seite? Das kann schon die halbe Miete sein. Man muss darauf achten, den Nährstoffbedarf zu decken. Ein paar
Das Oberlandesgericht Oldenburg verurteilt zwei Tierrechtsaktivisten zu Schadensersatz, weil sie zeigen, wie qualvoll die Betäubung von Schweinen durch CO2 ist.
Im Frühjahr 2024 drangen die Agrarwissenschaftlerin Anna Schubert und der Fotograf Hendrik Haßel nachts in den Schlachthof der Brand Qualitätsfleisch in Lohne, Landkreis Vechta, ein. Mit versteckten Kameras filmten sie, wie Schweine in Gondeln in einen Schacht mit hochkonzentriertem Kohlendioxid gefahren und so betäubt werden - nach ihren Aussagen ein Erstickungskampf unter Panik, Schmerzen und Todesangst. ARIWA, wo die beiden Mitglied sind, veröffentlichte später einen von Schubert moderierten Film. Zusätzlich zeigten die beiden Ausschnitte auf ihrem Instagram-Kanal „Schlachthofprozess“. Beide Videos sind nicht mehr verfügbar. Aber man kann es in Auszügen noch sehen, etwa auf dem Youtube-Kanal der BILD. Aber Achtung, ihr braucht starke Nerven: https://www.youtube.com/watch?v=vphX6tqpBP8 Habt ihr es gesehen? Genau das passiert vielen tausend Schweinen an jedem verfluchten Tag im Jahr, damit wir Menschen für einige Momente einen kulinarischen Genuss verspüren, der irgendwie angeblich besser ist als bei einem Sojaschnitzel. Allein in Ulm, wo einer der größten Schlachthöfe Süddeutschlands steht, gehen jeden Tag mehr als 3.000 Schweine durch diese Qual. Aber fahren wir fort mit der Juristerei, die auf den Vorfall folgte. Was die Gerichte entschieden haben Der Schlachthof verklagte die beiden Aktivisten, was zunächst keine Überraschung ist. Die Klage beschränkte sich aber nicht nur
Die deutsche Forschung hat 2024 mehr als drei Millionen Versuchstiere verbraucht. Ein erschreckend hoher Anteil davon kam aber nie zum Einsatz.
Das Deutsche Zentrum zum Schutz von Versuchstieren hat vor kurzem eine Statistik über die Versuchstiere im Jahr 2024 veröffentlicht. Ihr zufolge wurden insgesamt drei Millionen Tiere verbraucht. Noch erschreckender als diese Zahl: In Versuchen selbst kamen aber nur gut 1,3 Millionen Tiere zum Einsatz, während 600.000 für „wissenschaftliche Zwecke" getötet wurden, etwa um Organe zu entnehmen. Die übrigen Tiere – immerhin mehr als eine Million oder gut ein Drittel – sind „Überschuss": Sie haben das falsche Geschlecht, eine falsche Genetik, ein falsches Alter. Da man sie für Versuche nicht brauchte, hat man sie getötet. „Grundsätzlich ist das nutzlose Töten von Tieren nicht mit dem Tierschutzgesetz vereinbar. Das schreibt vor, dass es einen ‚vernünftigen' Grund geben muss. Wie das Urteil zum Kükenschreddern gezeigt hat, reichen wirtschaftliche Gründe dafür nicht", erklärt Gaby Neumann von Ärzte gegen Tierversuche. Die Tierärztin spielt auf ein wegweisendes Urteil des Bundesverwaltungsgerichts an. Dieses hatte 2019 bezüglich der Küken entschieden, was nicht als vernünftiger Grund gelten darf. Es schrieb: „Im Lichte des Staatsziels Tierschutz ist das wirtschaftliche Interesse an speziell auf eine hohe Legeleistung gezüchteten Hennen für sich genommen kein vernünftiger Grund […] für das Töten der männlichen Küken aus diesen Zuchtlinien." Dies ist zwar nicht ganz identisch zur Lage de
Bislang gibt es keine rechtlichen Normen zur Putenhaltung. Ein wegweisendes Gerichtsurteil in höchster Instanz wird dies wohl ändern.
Die Mühlen der Justiz mahlen langsam. Aber sie sind es, die die Wirklichkeit prägen. Das zeigt ein Urteil, mit dem das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig im April ein Verfahren abschloss, das 2017 in Schwäbisch Hall begonnen hatte. Der Verein Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg e.V. hatte das Schwäbisch Haller Veterinäramt aufgefordert, bei einem großen Putenstall einzugreifen. Das Amt blieb untätig, also erhob der Verein eine Klage. Diese ging in erster Instanz nach Stuttgart, wo das Gericht sie abwies. Der Verein legte Berufung beim Verwaltungsgerichtshof in Mannheim ein. Dort bekam er 2024 recht. Sylvi Paulick, Syndikusrechtsanwältin der Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt, erklärt, warum dieses Urteil ein Durchbruch ist: „Es gibt für Puten keine rechtlichen Haltungsvorgaben, wie etwa für Schweine oder Hühner. Daher orientieren sich Veterinäre und Halter, wie in Schwäbisch Hall, an den freiwilligen Eckwerten der Geflügelindustrie. Und genau diese erklärte der Verwaltungsgerichtshof für völlig ungeeignet, eine artgerechte Haltung zu gewährleisten, wie sie das Tierschutzgesetz verlangt." Keine weiteren Fragen Die Begründung des Gerichtshofs ist bestechend: Die Puten leben dicht gedrängt auf engstem Raum. Auf einen Quadratmeter kommen fast drei Tiere. 5.000 Puten teilen sich vier Strohballen, Zwischenwände gibt es keine. Die Tiere können weder Rangkämpfen aus d
Ein dunkles Kapitel der Rinderzucht handelt vom Schicksal männlicher Milchkälber. Viel ist nicht bekannt – aber genug, um sich zu entsetzen.
Das Leben der sogenannten Nutztiere hat seine Härten und Grausamkeiten. Die meisten Verbraucher nehmen diese aber, mehr oder weniger bewusst, hin. Ethisch gehen sie d’accord mit dem Tierschutzgesetz, das es gestattet, Tieren Leid zuzufügen, wenn es nur einen „vernünftigen“ Grund dafür gibt. Vernünftig ist in dieser Perspektive alles, was, irgendwie, einen Nutzen hat, beim Rind etwa die Produktion von Milch, Fleisch oder Leder. Für viele beginnt aber dort eine ethische Grauzone, wo der Nutzen fehlt oder sich in reine Ökonomie verflüchtigt. Etwa wenn die männlichen Küken von Legehennen geschreddert werden, weil die Überoptimierung aufs Eierlegen sie für die Mast wertlos macht. Weil die Kalorien in die Milch fließen Eine ähnliche, aber weniger bekannte Thematik findet man bei den Kälbern von Milchkühen. So wie eine Henne Eier legt, um sich fortzupflanzen, gibt eine Kuh nur Milch, wenn sie ein Kalb geboren hat. Anders als viele Menschen vermuten, ist die Milch also nicht einfach ständig verfügbar. Sie ist Teil des natürlichen Fortpflanzungszyklus der Kuh. Nach der Geburt des Kalbes beginnt die Milchbildung. Damit eine Kuh über Jahre Milch geben kann, muss sie jedoch immer wieder ein Kalb bekommen. Für den Milchbetrieb entsteht damit jedes Jahr aufs Neue dieselbe Frage: Was geschieht mit den Kälbern, die sich nicht vermarkten lassen? Bei vielen Zweinutzungsrassen, wie dem in Süddeut
Die Kuh Veronika machte Schlagzeilen, weil sie verblüffend intelligent ist. Kognitionsbiologin Alice Auersperg, die Veronika dokumentiert hat, erklärt im Interview, warum.
Die Kognitionsbiologin Alice Auersperg sucht Werkzeuggebrauch sonst auf fernen Inseln. Eine ihrer erstaunlichsten Entdeckungen machte sie auf einer Weide in Kärnten: eine Kuh, die sich mit einem Rechen kratzt. Auf einer Wiese im Gailtal hebt eine Kuh einen hölzernen Rechen vom Boden auf. Sie dreht ihn so, dass die Zinken nach unten zeigen, klemmt den Stiel zwischen die Zähne und kratzt sich den Rücken. Veronika, 13 Jahre alt, hat das niemand beigebracht. Sie lebt bei einer Kärntner Künstlerfamilie, läuft das ganze Jahr auf der Weide und darf tun, was die meisten Kühe nie dürfen: spielen. Vor neun Jahren fing sie an, Stöcke aufzuheben. Mit Veronika beschäftigt sich heute eine Forscherin der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Dass eine Kuh Werkzeuge benutzt, hat selbst sie überrascht. Frau Auersperg, wie sind Sie auf Veronika gestoßen? Ich habe vor gut einem Jahr ein Buch über den Erfindergeist der Tiere geschrieben. Danach haben mir ständig Leute Videos geschickt von Tieren, die angeblich Werkzeuge benutzen. Das meiste war Fake. Aber dann kam ein Video von einer Familie aus Kärnten: Darauf kratzt sich eine Kuh mit einem Holzrechen den Rücken. Was ist daran so besonders? Eine Kuh, die sich kratzt, klingt erst mal nach nichts. Sie hat den Rechen mit den Zinken nach unten ausgerichtet, als würde sie seine Funktion verstehen. Im Sommer plagen Rinder die Fliegen. Deshalb stellt
Mehr als 350 Tierärztinnen und Tierärzte verlangen ein schnelles Verbot der Anbindehaltung von Rindern. Es wird dringend Zeit!
Von Rouven Zietz / Christoph Bergmann Mehr als 350 Tierärztinnen und Tierärzte verlangen ein schnelles Verbot der Anbindehaltung von Rindern. Dieses sei "längst überfällig", schreiben sie in einem offenen Brief an Bundesagrarminister Alois Rainer. Die Praxis sei „aus tierärztlicher Sicht nicht vertretbar“. Sie "verstößt nicht nur gegen das Tierschutzrecht, sondern widerspricht auch grundlegenden Prinzipien der Tiermedizin." In Deutschland stehen noch rund 1,1 Millionen Rinder an der Kette, fast eine halbe Million davon Milchkühe, viele ganzjährig. Die Praxis ist seit langem umstritten. Die Rinder können sich kaum bewegen und sind nicht in der Lage, ihre natürlichen Verhaltensweisen auszuleben. Das verursacht körperliches und seelisches Leid. Überhaupt nicht artgerecht Veröffentlicht haben die Veterinäre den Brief im Januar vor der Grünen Woche in Berlin. Die Tierärzte hinter dem Brief werden die ganzjährige Fixierung sogar als Rechtsbruch. „Wer Tiere in ganzjähriger Anbindehaltung hält, macht sich eindeutig strafbar“, kommentiert Madeleine Martin, hessische Landestierschutzbeauftragte und Erstunterzeichnerin, die Veröffentlichung des Briefes. Sie beruft sich auf Paragraf 2 des Tierschutzgesetzes, der bestimmt, dass ein Halter die „Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken“ darf, dass diesem Leid oder Schmerz entstehen. Im Grunde sollte sich das mit ein
Rind gilt als das nachhaltige Fleisch, das man, im Gegensatz zum Schwein, mit einigermaßen gutem Gewissen kauft. Ist das so?
Rind gilt als das nachhaltige Fleisch, das man, im Gegensatz zum Schwein, mit einigermaßen gutem Gewissen kauft. Ist das so? Wenn man an Rindfleisch und Milch denkt, kommen einem schnell schöne, idyllische Bilder in den Sinn: Leben die Rinder nicht frank und frei auf der Weide? Fressen sie nicht das Gras, das ansonsten verdorrt, bewirtschaften sie nicht Hänge, die ansonsten verbuschen? Ist Rind und Käse zu essen nicht sogar gelebter Naturschutz, wie es Hubert Weiger, ehemaliger Vorsitzender der Naturschutzorganisation BUND, vor wenigen Jahren sagte? Die Kuh ist ohne Zweifel ein biologisches Wunder. Sie wandelt Gras, das für die meisten Lebewesen unverdaulich ist, in nährstoffreiche Lebensmittel um. Sie kann Flächen bewirtschaften, die für Pflug und Traktor unerreichbar bleiben, und sie erhält mit der freien Wiesenlandschaft einen Lebensraum für viele Arten. Aber das Idyll, das man nun vor Augen hat, war vielleicht mal echt. Irgendwann. Heute ist es eine Illusion. Erstens lebt nur ein Bruchteil der Rinder auf einer freien Weide. Zwei Drittel leben dauerhaft im Stall, je nach Region etwas mehr oder etwas weniger. Sie bewirtschaften keine ansonsten fruchtlosen Wiesen – sondern fressen das, was auf den Äckern wächst. Zweitens ernähren sich selbst die Rinder, die auf der Weide leben, nicht von Gras allein. Die heutigen hochgezüchteten Rassen, etwa die Weißblauen Belgier für Fleisch
Das Kabinett hat die verpflichtende Videoüberwachung in Schlachthöfen beschlossen. Tierschützer sind erfreut, haben aber auch Kritik.
Ende April hat das Kabinett die verpflichtende Videoüberwachung in Schlachthöfen beschlossen. Sieben Handlungen sollen künftig gefilmt werden, von der Entladung bis zum Entblutungsschnitt. Kritisiert wird aber, dass das Gesetz bis zu 95 Prozent der Betriebe ausnimmt – und es nur als Ordnungswidrigkeit wertet, Aufnahmen verschwinden zu lassen. Am 29. April 2026 hat das Bundeskabinett den Entwurf eines Fünften Gesetzes zur Änderung des Tierschutzgesetzes beschlossen. Sein Kern ist ein einziger neuer Paragraf: §4d verpflichtet Betreiber von Schlachteinrichtungen, in denen warmblütige Tiere geschlachtet werden, „auf eigene Kosten mittels offen sichtbarer, optisch-elektronischer Einrichtungen“ Videoaufzeichnungen anzufertigen und sie der Kontrollbehörde bereitzustellen. Am 1. Juli 2026 ging der Entwurf als Bundestagsdrucksache 21/6809 ins Parlament. Warum es die Kameras braucht, begründet der Entwurf mit einem Kontrollproblem: Eine „ausbleibende oder unzureichende Betäubung kann mit erheblichen Schmerzen und Leiden der Tiere einhergehen“, weshalb dies gründlich durch Veterinärämter zu überwachen ist. Aber: „Bei der Kontrolle von Schlachteinrichtungen durch die zuständigen Behörden können in der Regel nur ausgewählte Bereiche und Zeiträume betrachtet werden. Insbesondere in größeren Schlachteinrichtungen laufen jedoch zahlreiche Vorgänge mit lebenden Tieren gleichzeitig ab.“ Ein Amts
Das LOFT ist Ulms veganer oder vegetarischer Caterer. Im Interview erzählt der Inhaber der Vegionalen, wie gut das funktioniert.
Tobias Rocholl füllt noch schnell den Serviettenständer auf, bevor wir uns im „Backstage-Bereich“ hinter dem Stand auf zwei Klappstühle setzen. Vorne, beim Ulmer Zelt, ist es zu laut: Auf den Bierbänken neben dem Stand sitzen die Leute dicht gedrängt und reden durcheinander. Tobias ist der Inhaber von LOFT Catering, dem einzigen Caterer in Ulm, der ausschließlich vegetarisch und vegan kocht und zu 100 Prozent bio-zertifiziert ist. Ihr habt früher das Café „Brot & Stühle“ und „Oh My Waffle!“ geführt, beide vegetarisch. Warum nun stattdessen Catering und Foodtrucks? Wir waren sehr zufrieden mit unseren Cafés. Aber es hat viel Energie und Zeit gekostet, die für Familie und Freunde fehlte. Außerdem war es extrem schwierig, Personal zu finden, das wirklich hinter dem steht, was wir machen. Was genau macht ihr jetzt? Ausschließlich Caterings und Events: Hochzeiten, Geburtstage, Workshops und so weiter, auch mal die Mittagessen einer Tagesklinik – eben vegetarisch, vegan und bio. Wenn man bei einem klassischen Caterer vegan bestellt, lässt er oft nur das Fleisch weg und man bekommt die Beilagen. Wir haben richtige, eigenständige Gerichte, etwa Linsen mit Spätzle, Seitan-Gyros oder eine Lasagne, die wunderbar vegan funktionieren. Wie gut kommen die veganen und vegetarischen Gerichte an? Bei manchen Produkten merken viele gar nicht, dass sie vegan essen. Bei einer Veranstaltung habe
In einem überwiegend stillgelegten Steinbruch bei Blaubeuren liegt die Urzeitweide. Hier trifft man auf Taurusrinder und Konik-Pferde.
Einen Katzensprung von Ulm entfernt, in der Gegend um Blaubeuren, findet man sich in einer Westernkulisse wieder: Kalksteinwände ragen senkrecht hinauf, mit scharf gezeichneten Sedimenten, während auf dem trockenen Boden nur stoppeliges Gras und karge Büsche wachsen. Vor dieser Kulisse wirkt es fast normal, dass plötzlich eine Herde Taurusrinder aufmarschiert. Die schlanken, selbstbewussten und sauberen Tiere folgen ihrer Leitkuh. Sie registrieren die Besucher und halten Abstand, vorsichtig, aber ohne Scheu. Man merkt, dass man sich in ihrem Revier befindet. Wir fahren mit dem Auto durch die Uhrzeitweide. Unser Führer, Karlheinz Jungbauer, warnt unseren Fotografen Sven Wolf, immer in der Nähe des Autos zu bleiben und stets die Türe offen zu lassen. Denn wenn sie Kälber haben, können sich die Rinder rasch bedroht fühlen und auch mal aggressiv werden. Wir fühlen uns wie auf Safari. Herr Jungbauer arbeitet bei Heidelberg Materials und ist Handlungsbevollmächtigter der Urzeitweide. Der Firma gehört der Steinbruch bei Blaubeuren. Er wurde überwiegend stillgelegt und würde, unter normalen Umständen, rasch verbuschen und verwalden und wäre dann kaum mehr von der üblichen Landschaft um Blaubeuren zu unterscheiden: dicht bewaldete Hänge und Schluchten. Die Taurusrinder übernehmen hier den Job als Landschaftspfleger: Sie rupfen die Gräser und jungen Triebe von Büschen, so dass die Fläche
Gemessen an der Zahl der gehaltenen Rinder gehört der Stadtkreis Ulm zu den kleinsten Kreisen Baden-Württembergs. Ganz anders sieht es bei der Anzahl der Schlachtungen aus.
Ulm liebt seine Rekorde und schiefen Häuser. Weniger stolz dürfte die Stadt auf eine andere rekordverdächtige Asymmetrie sein: In kaum einem Kreis des "Ländle" leben so wenig Rinder – und in kaum einem sterben so viele. Der Grund für dieses Missverhältnis liegt darin, dass Ulm einerseits ein sehr urbaner Kreis ist – und andererseits im Donautal einer der größten Schlachthöfe Süddeutschlands steht, wo jährlich etwa 100.000 Rinder sterben. Die etwas unter 1.000 Rinder des Stadtkreises verteilen sich auf die Ortsteile im Norden, Süden und Osten. Die Haltungsbedingungen unterscheiden sich zwar, sind aber überwiegend unschön: Freilandhaltung ist sehr selten, Laufställe sind zwar in der Mehrheit, doch die Anbindehaltung, die eigentlich als Auslaufmodell und Tierqual gilt, wird immer noch relativ häufig praktiziert. „In den Ortsteilen des Stadtkreises Ulm, beispielsweise in Lehr, Jungingen, Eggingen, Einsingen, Gögglingen, Donaustetten und Unterweiler, gab es früher viele Vollerwerbslandwirte am Stadtrand“, erzählt Manfred Chaloun, Abteilungsleiter beim Veterinäramt der Stadt Ulm. „Sie führten ihre Rinder auf die Weiden. Heute werden viele Höfe nur noch im Nebenerwerb betrieben, und an den Ortsrändern sind Wohngebiete, Gewerbeflächen oder Verkehrswege entstanden.“ Das Wachstum der Stadt hat die Weidehaltung schwieriger gemacht als noch im 20. Jahrhundert. Zwar können Landwirte ältere
Im Februar schockte uns die News, dass das Virtshaus schließt. Es folgte ein Krimi um die Wiedereröffnung – mit einem gut gewürzten Happy End.
Im Frühjahr stand die Zukunft von Ulms edelstem veganem Restaurant auf Messers Schneide. Lu Patscheider, Gründer und Koch des Virtshauses im gemütlichen Stadtteil auf dem Kreuz, warf überraschend das Handtuch. Das verblüffte Team erfuhr davon quasi aus der Presse, die bereits den Nachruf gedruckt hatte. Schon wenige Wochen vorher, an Valentinstag, war Lu plötzlich aus gesundheitlichen Gründen ausgefallen. Ausgerechnet als das Lokal mit 120 Reservierungen mehrfach komplett ausgebucht war. Hardy Distel, damals Serviceleiter, erhielt in der Früh einen Anruf: Lu könne nicht kommen; er solle entscheiden, ob überhaupt geöffnet werde. Damit hatte Hardy, ohne es zu wissen, das Zepter übernommen. Er rief das Team zusammen, das gemeinsam beschloss, „das zu rocken. Es ging uns erst mal nur darum, diesen Tag zu retten und den vielen Gästen die Enttäuschung zu ersparen, ihre Reservierungen so kurzfristig zu stornieren." Mit Erfolg. Zwei Wochen später, als Lu endgültig aufhörte, ging es dann nicht mehr nur um einen Tag oder eine Woche. Sondern um alles. Und erstmals nahm die Idee Gestalt an, das Lokal selbst fortzuführen oder neu zu erfinden. Hardy strahlt eine anpackende Zuversicht aus. Es ist kaum vorstellbar, dass er keine Lösung weiß, wenn man ihm ein Problem erzählt. Vermutlich war er genau der richtige Mann zur richtigen Zeit. Doch auch er hatte Zweifel: „Ich hatte keine Erfahrung dami
Wie viele Rinder leben in der Region – und, vor allem: Wie leben sie? Die Vegionale hat nachgeforscht und einiges herausbekommen.
Es ist nicht ganz einfach, viel über die Rinder in der Region zu erfahren. Immerhin informieren die Veterinärämter bereitwillig über die präzise Anzahl der Tiere in der Region. Im Alb-Donaukreis leben 46.098 Rinder, davon 15.436 Milchkühe. Ähnlich im Landkreis Günzburg, mit rund 40.000 Rindern, davon etwa 13.000 Milchkühe. Im Landkreis Neu-Ulm leben dagegen nur 19.500 Rinder, und in Ulm etwas weniger als 1000. Über die Betriebsgrößen dagegen gab nur die Günzburger Veterinärin Barbara Gneiser-Schupp Auskunft: Betriebe unter 20 Tieren sind eine Minderheit, über 150 Tiere sind selten. Die meisten Rinder leben in den Herdengrößen dazwischen. Der größte Einzelbetrieb im Landkreis Günzburg hält etwa 350 Milchkühe. Weidegang eher selten Auch bei den Haltungsformen haben wir eher vage Auskünfte erhalten. Die als besonders artgerecht geltende Mutterkuhhaltung, bei der die Kuh nicht gemolken wird, sondern ihr Kalb mit eigener Milch versorgt, findet meist „extensiv“, also auf der Weide statt, erklärt Frau Gneiser-Schupp, oft mit besonderen Rinderrassen, die für diese Haltung geeignet sind – wie Galloways oder Schottische Hochlandrinder. Der typische Weidegang sei im Landkreis nicht besonders häufig, meint die Veterinärin, auch wenn man immer wieder Rinder auf der Weide antrifft, je tiefer man in den Landkreis hinein reist. Ähnlich verhält es sich in den anderen Landkreisen der Region. Häu
Auf dem Lebenshof in Obermarchtal leben knapp 50 Rinder – artgerecht und als Selbstzweck. Möglich macht dies der Verein Lebenshilfe Kuh und Co.
Auf dem Lebenshof in Obermarchtal leben knapp 50 Rinder. Nicht als Produzent von Fleisch und Milch, sondern artgerecht und als Selbstzweck. Möglich macht es der Verein Lebenshilfe Kuh und Co. Sabine Massler springt begeistert auf den Stall zu. „Merle und Ludwig und Fenja, schön, dass ihr hier seid,“ ruft sie. Die Kälber, Merle und Ludwig, recken ihre Köpfe neugierig durch das Gatter. Sie schlecken mit rauen Zungen über unsere Hände, lassen sich streicheln, greifen mit ihrem Maul nach unseren Kleidern und tollen durch den Stall. „Die Fenja, die Kuh, hat Zwillinge bekommen. Eine davon ist den Hang heruntergefallen und hat furchtbar geschrien. Das war die Merle.“ Ihr Bruder Ludwig war, wie alle männlichen Kälber, schon für die Mast bestimmt. „Man weiß nie, wo sie enden. In Holland oder Spanien in der Kälberzucht, wo man sie auf Eisenmangel setzt, oder in Saudi-Arabien, zum Schächten. Wer weiß,“ erklärt Sabine. In ihren Augen glitzern Tränen. Dann setzt sie, gerührt vor Freude, hinzu: „Ich bin so froh, dass du stattdessen hier bist, Ludwig!“ Eine Tierschützerin hatte Merle entdeckt. Aus Mitleid mit dem Kalb kaufte sie dem Bauern auch die Mutter, Fenja, sowie Ludwig ab und übergab die Familie Sabines Verein „Lebenshilfe Kuh und Co.“, der sie wiederum zum Lebenshof in Obermarchtal brachte. „Wir haben komplett umgestellt,“ erzählt Peter K., der Besitzer des Hofes, „das war eine Entsch
Rinder sind von Natur aus Landschaftspfleger. Im Donaumoos macht man sich das zunutze.
Rinder sind von Natur aus Landschaftspfleger. Sie fressen Gräser und Triebe junger Büsche, und schaffen so den Lebensraum, den sie benötigen: die offene Graslandschaft. Diese ist nicht nur ihnen eine Heimat, sondern auch vielen weiteren Tieren und Pflanzen. Leider wurden offene Wiesen selten. Sie verbuschen und verwalden oder verschwinden zunehmend aus der Landschaft. Daher versuchen Naturschützer, sie zurückzugewinnen – und Rinder und Büffel sind dabei unersetzlich. Sie erfüllen die Aufgabe eines Rasenmähers, brauchen dabei keinen Strom und metzeln keine Igel oder Vogelnester, erreichen aber problemlos Orte, an denen Rasenmäher scheitern. Ein Beispiel dafür ist das Donaumoos. Perfekt gemacht für diesen Job Das Schwäbische Donaumoos zwischen Leipheim und Langenau hat eine mystische Aura. Über den Wiesen hängt eine feuchte Luft, tote Bäume recken sich in den Himmel, und überall flattert, summt und singt es. Es ist immer ruhig, aber niemals still. Das war nicht immer so. Im 19. Jahrhundert wurde das Moor zunehmend entwässert, um Torf zu gewinnen und die Flächen landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Erst in den letzten Jahrzehnten rückte der Wert der Moore als Lebensraum, Wasserspeicher und Kohlenstoffsenke wieder stärker ins Bewusstsein. „Seit 2011 vernässen wir das Leipheimer Moos. Heute weist es wieder deutlich moortypischere Habitate auf und bietet vielen seltenen Pflanzen- un
Die Ulmerin Miriam Broux sitzt im Bundesvorstand der Partei Mensch Umwelt Tierschutz und trat bei der letzten Landtagswahl als Spitzenkandidatin an. Hier im Interview.
Interview von Rouven Zietz Der vegane Schokokuchen bleibt fast unberührt. Miriam Broux hat ihn bestellt, dazu einen Cappuccino, aber zum Essen kommt sie kaum während unseres fast zweistündigen Gesprächs. Am Nachbartisch im Café Aegis spielen Studenten Karten, zwei Tische weiter klackern die Steine eines Backgammon-Spiels. Broux, 37, ist in Ulm geboren und mit der Stadt verwachsen. Sie kämpft für Ziele, an die sonst kaum jemand glaubt. Das mit dem körperlichen Schmerz – wie meinst du das? Ich bin neurodivergent, vergangenes Jahr habe ich meine ADHS-Diagnose bekommen. Dazu gehört oft ein starker Gerechtigkeitssinn, und der trifft auf mich wirklich zu. Wenn ich Ungerechtigkeit sehe, ist das kaum auszuhalten, fast ein physischer Schmerz. Diesen Weltschmerz trage ich seit der Pubertät in mir. Und mit ihm das Bedürfnis, etwas Sinnstiftendes zu tun. Ich meckere nicht nur, ich überlege, was ich tun kann. Wann wurde aus diesem Gefühl Politik? 2017. Damals stimmte der CSU-Agrarminister Christian Schmidt auf EU-Ebene für die Verlängerung von Glyphosat, gegen die Absprache mit der Umweltministerin. Da dachte ich: Es kann doch nicht sein, dass Profitgier über dem Verbraucherschutz steht. Wir vergiften Böden, Insekten und Vögel und wissen bei vielem nicht, was wir anrichten. Da war für mich klar: Ich muss selbst dahin, wo entschieden wird. Damit ich mit Bayer, Monsanto und Co. überhaupt auf
Eines gilt für fast alle Tiere in der Region: Sie sind vom Menschen abhängig. Manchmal zu ihrem Wohl – häufiger aber zu ihrem Leid.
Wir Menschen beherrschen und verwalten den gesamten Lebensraum, selbst da, wo er noch natürlich wirkt – einschließlich der Tiere in ihm. Am deutlichsten wird dies im Leben der Nutztiere, der Schweine, Rinder, Hühner, Truthähne, Schafe. Ihr Leben unterliegt einer lückenlosen Kontrolle durch die Menschen. In den ausgedehnten Landkreisen Neu-Ulm und Günzburg leben etwa 60.500 Rinder, 32.500 Schweine und 11.300 Schafe oder Ziegen. Allein in Neu-Ulm werden 76.000 Hühner, Truthähne und andere Geflügelarten gehalten. Schweinezüchter findet man vor allem in der Region um Ehingen. Hier liefern viele Züchter ihre Ferkel an den Vermarkter Schleker. Nicht weit davon, im Ulmer Donautal, befindet sich einer der größten Schlachthöfe Süddeutschlands, und in Günzburg stellt OSI die Patties für McDonalds her. An der Massentierhaltung hängen zahlreiche Jobs, vermutlich Zehntausende. Allein in Günzburg gibt es 700 Rinder- und 140 Schweinehalter sowie hunderte Geflügelhalter. Dazu kommen die Schlachthöfe, Molkereien, Metzger, Köche, Tierärzte … Eingriffe in Lebensräume Die meisten Nutztiere leben unter unvorstellbar fürchterlichen Bedingungen. Der Mensch tritt ihnen gegenüber buchstäblich als Dämon auf. Um sie an die Haltungssysteme anzupassen, amputiert er den Puten die Schnäbel und den Ferkeln die Ringelschwänze; nach einem kurzen, freudlosen Leben tötet er sie dann, fast noch im Kindesalter. Imm
Ein Blick in die vegane Gastronomie in Ulm, Neu-Ulm und Günzburg - und Restaurants, bei denen man auch pflanzlich essen kann.
Für Veganer ist auswärts Essen oft schwierig. Unser Gastroguide führt daher durch die pflanzliche Küche von Ulm, Neu-Ulm und Günzburg. Den Anfang machen die Restaurants, in denen es nur Veganes gibt, dann folgen Empfehlungen, wo man auch eine gute vegane Auswahl hat. Übrigens: Wir haben auch eine Kartenansicht der veganen Gastronomie in der Region - und eine Übersicht, wo es nur ein oder zwei Gerichte gibt. Ganz und gar vegan! VeggyGo Das VeggyGo bringt fast schon belgische Imbiss-Vibes nach Neu-Ulm. Nur eben vegan. Der Imbiss ist modern und aufgeräumt und brutzelt fantastische vegane Burger: das selbstgemachte "Vleisch" fett und saftig, der vegane Käse schön schmelzend, Pommes mit Saucen und Extra - etwa Kimchi - mehr als nur eine Beilage. Das VeggyGo zwischen Donaucenter und Herdbrücke ist die erste (und bisher einzige) Filiale des Franchises aus Neu-Ulm, das erst Ende 2024 eröffnet hat. Neben Burgern serviert die Köchin auch Gesundes: Falafel, Cigköfte und Bowls. Marienstraße 7, Neu-Ulm Virtschaft Die Virtschaft auf dem Kreuz kocht gutbürgerlich-vegan. Es liegt in einem gemütlichen Winkel der Ulmer Altstadt, die Atmosphäre ist gemütlich, man sitzt an gebeizten Tischen, und bekommt die schwäbischen Klassiker: Kässpätzle, Zwiebelrostbraten und Pilzcremegeschnetzeltes, dazu hausgemachte Vleischküchle, Brezel-Knödel oder Ofenkartoffel mit Pulled BBQ (Bild). Wo sonst können Vegan
Die Vegionale hat mit Dr. Barbara Gneiser-Schupp, der Leiterin des Günzburger Veterinäramts, über die Vogelgrippe in der Region gesprochen. Sie erklärt uns, wie man vor Ort reagiert, wenn die Seuche auch hier ausbricht - und warum Landwirte, die ihre Hühner in den Stall sperren, die Eier dennoch als Freilandeier verkaufen dürfen.
Nachdem die Vogelgrippe in der Region aufgetreten ist – wie gehen Sie damit um? Es gab im November einen Vorfall im Alb-Donau-Kreis. Um diesen herum wird laut Verordnung eine Schutzzone von drei Kilometern und eine Überwachungszone von zehn Kilometern eingerichtet. In diese laufen die Landkreise Günzburg und Neu-Ulm mit hinein. Bei uns sind es Teile von Günzburg, nämlich Riedhausen, und Leipheim mit den Ortsteilen Weisingen und Riedheim, wobei etwa 30–40 Betriebe betroffen sind. Darunter aber auch Kleinstbetriebe mit nur etwa 10 Hühnern. Was passiert in der Überwachungszone? Zunächst gilt eine Aufstallungspflicht: alle Tiere müssen in den Stall, sozusagen ein Lockdown. Dann kontrollieren wir alle Betriebe und Herden und testen stichprobenweise auf Vogelgrippe. Auch wenn ein wild lebendes Wassergeflügel auffällig erkrankt, nehmen wir Proben. Bisher waren alle Tests zum Glück negativ. Was würde passieren, wenn ein Test positiv ausfällt? Etwas ähnliches wie im Alb-Donau-Kreis: Wir müssen die entsprechenden Maßnahmen einleiten, die die Verordnungen vorsehen. Wir müssen eine Schutz- und Überwachungszone einrichten mit Vorgaben für die dort gehaltenen und betroffenen Tierarten, alle Tiere in der betroffenen Herde keulen und den Betrieb im Anschluss reinigen und desinfizieren lassen. Keulen bedeutet, dass alle Tiere im Stall getötet werden? Ja. Die Keulung verhindert das Ausbreiten de
Lena Probst leitet die Ulmer Hundeschule Pedadogical und resozialisiert Problemhunde, die zum Teil auch schon gebissen haben. Hier gibt sie neun Tipps zur Hundeerziehung.
1. Die Rasse ist nicht alles, aber auch nicht nichts Ein Rottweiler ist in der Tendenz anders als ein Labrador. Labradore sind als Familien- und Jagdhunde gezüchtet, Rottweiler, um Rinder zu treiben. Daher sollten sie auch unerschrocken bleiben, wenn ein Rindvieh nach ihnen tritt, was für viele Halter eine (zu) große Herausforderung ist. 2. Nur positive Erziehung funktioniert selten Viele Hundetrainer raten, falsches Verhalten zu ignorieren und richtiges zu belohnen. Das kann (manchmal) bei einem Bilderbuch-Labrador funktionieren. Aber wenn ein Rottweiler einen anderen Hund fressen möchte, sollte man das nicht ignorieren. 3. Alle vier Quadranten einsetzen Es gibt vier Quadranten der Lerntheorie: positive und negative Verstärkung sowie positive und negative Strafe. Sie sind, je nach Hund und Problem, nützlich, um dem Hund klar zu machen, was er darf und was nicht. Wenn er das nicht weiß, horcht er auch nicht. 4. Die richtige Methode ist individuell Nicht jede Korrektur klappt bei allen Hunden. Bei meiner pubertierenden Rottweilerhündin hilft es, sie festzuhalten, bis sie akzeptiert, dass sie wo nicht hin darf. Bei anderen Hunden klappt Anleinen, Ignorieren, Wegschicken, klare Ansprachen oder mehr. Das muss man (mit kompetenter Anleitung) herausfinden. 5. Von Hunden lernen Auch wenn der Hund beim zigten Versuch nicht hört, muss man ruhig bleiben. Ich atme dann durch und überlege
Alle im Heft besprochenen veganen und vegan-freundlichen Lokale in Ulm, Neu-Ulm und Günzburg — mit Marker auf einer Karte.
Grün heißt ganz und gar vegan, blau „einen Versuch wert". Tippe auf einen Marker für Adresse, Angebot und Website.
Wenn Veganer essen gehen, sparen sie Zeit bei der Auswahl. Schließlich gibt es meistens eh nur ein oder zwei Gerichte. Die Vegane Speisekarte macht’s noch einfacher: Sie bringt die veganen Optionen von 20 Restaurants in der Region auf eine einzige Karte.
Wenn Veganer essen gehen, sparen sie Zeit bei der Auswahl. Schließlich gibt es meistens eh nur ein oder zwei Gerichte. Die Vegane Speisekarte macht’s noch einfacher: Sie bringt die veganen Optionen von 20 Restaurants in der Region auf eine einzige Karte. Gasthof zur Münz (Günzburg) – Gemischter Salat; Pommes Zebrano (Günzburg) – Pommes; Nudeln mit Tomatensoße; Veganer Burger Gaststätte Zur Post (Leipheim) – Gemischter Salat; Gegebenenfalls Wochengerichte Gasthaus zur Linde (Günzburg) – Gemischter Salat; Allgäuer Krautkrapfen Pfannkuchenhaus (Ulm) – Gemischter Salat; Pommes Klosterbräustuben (Obereichingen) – Gemischter Salat; Pommes; Gefüllte Paprikaschoten; Krautkrapfen Barfüßer (Weißenhorn) – Beilagensalat; Falafel Bowl; Pommes Anno 1460 (Weißenhorn) – Gemischter Vorspeisensalat & Cherrytomaten; Orientalisch gefüllte rote Paprika; In Maismehl gebackenes Gemüse; Asiatische Gemüsepfanne; Süßkartoffel-Pommes Restaurant Posthorn (Neu-Ulm) – Grillgemüse (Ohne Parmesan bestellen) Taverne zum Griechen (Neu-Ulm) – Fava mit Kapern; Gegrillte Artischockenherzen; Oliven und Peperoni; Knoblauchbrot; Rosmarinkartoffeln Meteora (Senden) – Vorspeisen (Riesenbohnen, Oliven, Fladenbrot, Knoblauchbrot, gegrillte Paprika); Bohnensuppe; Kartoffelscheiben; Beilagensalat Oberland (Illertissen) – Geröstetes Weißbrot; Gegrillte Peperoni; Gemischter Salat Carina’s ur’Schlössle (Unterknöringen) –
Die Mensa der Universität Ulm serviert jeden Tag rund 2.000 Speisen – den größten Teil davon mittlerweile vegan oder vegetarisch. Mensaleiter Dieter Stock erklärt im Interview, wie sich die Ernährungsweisen ändern – und was das für die Systemgastronomie bedeutet.
Sie wurden vor kurzem von PETA zu einer der veganfreundlichsten Mensen in Deutschland gekürt. Haben Sie darauf hingearbeitet? Nicht konkret auf die Auszeichnung. Aber wir verstehen sie als Wertschätzung dafür, dass wir unser veganes Speisenangebot kontinuierlich entwickeln. Damit werden wir unserer Verantwortung als Großversorger gerecht und reagieren auf die geänderte Nachfrage. Wie integrieren Sie vegane Speisen in Ihr Angebot? Wir haben seit 2020 vier Speiselinien. Fleisch enthält nur noch die Linie „Fleisch und Fisch”, während „Klima Prima” vollständig vegan ist. Die anderen beiden Linien, „Sattmacher” und „Topf und Pfanne”, sind vegan oder vegetarisch. Dazu gibt es Aktionstheken, etwa mit Röstis, hausgemachter Pasta oder Pizza. Gibt es die Pizza auch in vegan? Ja. Wir testen die veganen Käsealternativen, auch für Käsebrötchen in der Cafeteria. Nicht jede ist geeignet, aber das Angebot entwickelt sich rasch, was für mich spannend zu beobachten ist. Apropos Cafeteria: Bieten Sie auch pflanzliche Milch für Kaffee an? Natürlich. Unsere Vollautomaten geben Kaffee seit einigen Jahren sowohl mit Kuh- als auch Hafermilch aus. Dabei wählen bereits 22 Prozent Haferdrink, 40 Prozent die Kuhmilch und der Rest ohne. Milch wird also schon fast zur Hälfte pflanzlich ausgegeben. Das ist bemerkenswert. Wie sieht es bei den Speisen aus? Ähnlich gut. Der Anteil veganer und vegetarischer Geri
Bekanntermaßen essen Veganer ihr Gemüse am liebsten, wenn es aussieht und schmeckt wie Würste, Schnitzel oder Burger. Daher stellen wir hier die beliebtesten Ersatzprodukte unserer Redaktions-Kantine vor, die zwar gänzlich fleisch- aber keineswegs schnitzelfrei ist.
Mühlen Cordon Bleu Niemand, der einmal das vegane Mühlen Cordon Bleu gegessen hat, vermisst je wieder ein echtes Cordon Bleu. Die Panade perfekt knusprig, der Schinken zart, der Käse umschmilzt das Sojaschnitzel herzig-heiß. Einziges Manko ist, dass es relativ fettig ist bei mäßig hohem Proteingehalt. Authentizität ★★★★ Geschmack ★★★★★ Nährstoffe ★★★ Billie Green Salami Mittlerweile gibt es ein reiches Sortiment hervorragender Wurstersatzprodukte. Eine Auszeichnung verdient jedoch die Weizeneiweiß-Salami von Billy Green, ob Klassik, im Baguette-Stil oder mit Pfeffer. Nicht nur schmeckt sie verblüffend echt – sie hat mit 32 Gramm Protein und keinen 10 Gramm Fett auch viel bessere Nährwerte als das Original. Authentizität ★★★★ Geschmack ★★★★ Nährstoffe ★★★★★ GreenForce Kötbullar Kötbullar sind die schwedische Variante der Fleischbällchen. GreenForce hat sie in vegan nachgebaut – und man kann nur staunen: Wie kann etwas aus Erbsen so sehr nach Fleischbällchen schmecken? Fast wie bei Ikea. Die Kötbullar, die man in vielen Supermärkten findet, bereichen Salate, Nudelgerichte und mehr. Authentizität ★★★★★ Geschmack ★★★★ Nährstoffe ★★★ GreenForce Leberkäs Jeder vermisst Leberkäs, den Inbegriff des sündig-schlechten Fleisches – außer die Veganer, die den GreenForce-Leberkäse genießen, entweder zum Selbst-Anrühren oder am Stück aus der Packung. Zwar schmeckt das Produkt aus Erbsen und A
Man sieht Hartmut Distel nicht eben an der Nase an, dass er ein veganer Ernährungsberater ist. Zumindest entspricht der 56-Jährige nicht dem Klischee, dass Veganer nur Möhren und Tofu essen …
Man sieht Hartmut Distel nicht eben an der Nase an, dass er ein veganer Ernährungsberater ist. Zumindest entspricht der 56-Jährige nicht dem Klischee, dass Veganer nur Möhren und Tofu essen und dauernd Yoga üben. Distel, der auch Serviceleiter der Virtschaft ist, Ulms veganem Restaurant, stellt sich unverkrampft als „Hardy” vor. Er wurde vor acht Jahren vegan, nachdem er einen Herzinfarkt erlitten hatte. Weil er dem Tod von der Schippe gesprungen war, reflektierte er vieles, darunter das ethische Problem, dass Tiere leiden, Gewalt erfahren oder sterben müssen, damit er seinen geliebten Zwiebelrostbraten nach Allgäuer Art mit Kässpätzle essen kann. Ohne Tod kein Fleisch „Ich habe mir lange eingeredet, dass es ok ist, wenn ich mein Fleisch beim Metzger kaufe. Aber das ist es nicht. Je mehr ich mich informierte, umso klarer wurde mir, dass es kein Fleisch, keine Milch und keine Eier ohne Gewalt, Tod und Ausbeutung gibt,” erzählt Hardy. Mit der Entscheidung, fortan vegan zu leben, verlor er aber nicht seine Liebe zu Rostbraten und Spätzle. So einfach läuft es nicht. Also recherchierte und experimentierte er. Spätzle kann man etwa mit weniger Wasser herstellen, so dass sie auch ohne Ei fest werden, alternativ verwendet Hardy gerne Johannisbrotmehl oder eben den Eiersatz, den man im Supermarkt kaufen kann. Das Original womöglich übertroffen Auch auf seinen geliebten Cappuccino mit Mi