Tierschutz, Ernährung und Gesundheit in Ulm, Neu-Ulm und Günzburg

Titelthema

Tiere in der Region

Mensch und Tier in der Region

Überall in der Region treffen Mensch und Tier zusammen – manchmal zum Wohl, manchmal zum Leid der Tiere. Unsere Karte zeigt einige Highlights, von den Fledermäusen in den Höhlen auf der Alb über den Ulmer Schlachthof bis zum Straußeneiland in Leipheim.

August 2026

Die zweite Ausgabe ist da

Mit sehr viel Muh und vielen weiteren Themen für Veganer und Tierschützer: Die zweite Vegionale liegt in der Region aus.

Wo, seht ihr auf unserer Karte mit Auslagestellen.

März 2026

Die erste Ausgabe liegt aus

Es ist soweit: Die Vegionale liegt gedruckt an vielen Stellen in der Region aus, in Ulm, Neu-Ulm, Günzburg und darum herum.

zur digitalen Version →

Aus dem Magazin

Gemischtes

  • Tierhaltung

    Kühe an der Kette

    Mehr als 350 Tierärztinnen und Tierärzte verlangen ein schnelles Verbot der Anbindehaltung von Rindern. Es wird dringend Zeit!

    Von Rouven Zietz / Christoph Bergmann Mehr als 350 Tierärztinnen und Tierärzte verlangen ein schnelles Verbot der Anbindehaltung von Rindern. Dieses sei "längst überfällig", schreiben sie in einem offenen Brief an Bundesagrarminister Alois Rainer. Die Praxis sei „aus tierärztlicher Sicht nicht vertretbar“. Sie "verstößt nicht nur gegen das Tierschutzrecht, sondern widerspricht auch grundlegenden Prinzipien der Tiermedizin." In Deutschland stehen noch rund 1,1 Millionen Rinder an der Kette, fast eine halbe Million davon Milchkühe, viele ganzjährig. Die Praxis ist seit langem umstritten. Die Rinder können sich kaum bewegen und sind nicht in der Lage, ihre natürlichen Verhaltensweisen auszuleben. Das verursacht körperliches und seelisches Leid. Überhaupt nicht artgerecht Veröffentlicht haben die Veterinäre den Brief im Januar vor der Grünen Woche in Berlin. Die Tierärzte hinter dem Brief werden die ganzjährige Fixierung sogar als Rechtsbruch. „Wer Tiere in ganzjähriger Anbindehaltung hält, macht sich eindeutig strafbar“, kommentiert Madeleine Martin, hessische Landestierschutzbeauftragte und Erstunterzeichnerin, die Veröffentlichung des Briefes. Sie beruft sich auf Paragraf 2 des Tierschutzgesetzes, der bestimmt, dass ein Halter die „Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken“ darf, dass diesem Leid oder Schmerz entstehen. Im Grunde sollte sich das mit ein

  • Tierhaltung

    Die Weide: eine Illusion

    Rind gilt als das nachhaltige Fleisch, das man, im Gegensatz zum Schwein, mit einigermaßen gutem Gewissen kauft. Ist das so?

    Rind gilt als das nachhaltige Fleisch, das man, im Gegensatz zum Schwein, mit einigermaßen gutem Gewissen kauft. Ist das so? Wenn man an Rindfleisch und Milch denkt, kommen einem schnell schöne, idyllische Bilder in den Sinn: Leben die Rinder nicht frank und frei auf der Weide? Fressen sie nicht das Gras, das ansonsten verdorrt, bewirtschaften sie nicht Hänge, die ansonsten verbuschen? Ist Rind und Käse zu essen nicht sogar gelebter Naturschutz, wie es Hubert Weiger, ehemaliger Vorsitzender der Naturschutzorganisation BUND, vor wenigen Jahren sagte? Die Kuh ist ohne Zweifel ein biologisches Wunder. Sie wandelt Gras, das für die meisten Lebewesen unverdaulich ist, in nährstoffreiche Lebensmittel um. Sie kann Flächen bewirtschaften, die für Pflug und Traktor unerreichbar bleiben, und sie erhält mit der freien Wiesenlandschaft einen Lebensraum für viele Arten. Aber das Idyll, das man nun vor Augen hat, war vielleicht mal echt. Irgendwann. Heute ist es eine Illusion. Erstens lebt nur ein Bruchteil der Rinder auf einer freien Weide. Zwei Drittel leben dauerhaft im Stall, je nach Region etwas mehr oder etwas weniger. Sie bewirtschaften keine ansonsten fruchtlosen Wiesen – sondern fressen das, was auf den Äckern wächst. Zweitens ernähren sich selbst die Rinder, die auf der Weide leben, nicht von Gras allein. Die heutigen hochgezüchteten Rassen, etwa die Weißblauen Belgier für Fleisch

  • Politik & Recht

    Per Gesetz: Videoüberwachung in Schlachthöfen

    Das Kabinett hat die verpflichtende Videoüberwachung in Schlachthöfen beschlossen. Tierschützer sind erfreut, haben aber auch Kritik.

    Ende April hat das Kabinett die verpflichtende Videoüberwachung in Schlachthöfen beschlossen. Sieben Handlungen sollen künftig gefilmt werden, von der Entladung bis zum Entblutungsschnitt. Kritisiert wird aber, dass das Gesetz bis zu 95 Prozent der Betriebe ausnimmt – und es nur als Ordnungswidrigkeit wertet, Aufnahmen verschwinden zu lassen. Am 29. April 2026 hat das Bundeskabinett den Entwurf eines Fünften Gesetzes zur Änderung des Tierschutzgesetzes beschlossen. Sein Kern ist ein einziger neuer Paragraf: §4d verpflichtet Betreiber von Schlachteinrichtungen, in denen warmblütige Tiere geschlachtet werden, „auf eigene Kosten mittels offen sichtbarer, optisch-elektronischer Einrichtungen“ Videoaufzeichnungen anzufertigen und sie der Kontrollbehörde bereitzustellen. Am 1. Juli 2026 ging der Entwurf als Bundestagsdrucksache 21/6809 ins Parlament. Warum es die Kameras braucht, begründet der Entwurf mit einem Kontrollproblem: Eine „ausbleibende oder unzureichende Betäubung kann mit erheblichen Schmerzen und Leiden der Tiere einhergehen“, weshalb dies gründlich durch Veterinärämter zu überwachen ist. Aber: „Bei der Kontrolle von Schlachteinrichtungen durch die zuständigen Behörden können in der Regel nur ausgewählte Bereiche und Zeiträume betrachtet werden. Insbesondere in größeren Schlachteinrichtungen laufen jedoch zahlreiche Vorgänge mit lebenden Tieren gleichzeitig ab.“ Ein Amts

  • Allgemein

    Editorial für Ausgabe 2

    Über Rinder, Menschen und das Richtige tun: EInige Gedanken zur Veröffentlichung der zweiten Ausgabe.

    Liebe Leserinnen und Leser, diesmal geht’s um Rinder. Die großen, gemütlichen, gutmütigen Tiere, die al-lein dadurch, dass sie da sind, jedes mausgraue Dorf zur süddeutschen Idyllemachen. Die Recherche führte mich auch zu einem Lebenshof in Obermarchtal. Alsich zurückfuhr, war ich ungewöhnlich bewegt, zugleich gerührt und entsetzt.Auf der einen Seite wegen Ludwig, einem Kalb, das begeistert schleckte, tollte,schmuste und die Zitzen seiner Mutter jagte. Es war rührend, Ludwig zu sehen– aber es machte auch begreifbar, was es für ein Verbrechen ist, das fast allenanderen männlichen Milchkälbern angetan wird: Man karrt sie nach Holland,in dunklen, engen Transportern, in die Kälbermast, auf Eisenmangel, damitdas Fleisch weiß bleibt; oder man fährt und schifft sie bis nach Saudi-Arabien,halb verdurstend, in grausamer Hitze, um dort geschächtet zu werden. Ludwigdagegen – er hat einen Namen und eine Zukunft, und das ist wunderbar, machtaber alles noch viel entsetzlicher, und man weiß nicht mehr, ob man vor Freudeoder Trauer zittert … Aber nicht nur das berührte mich. Auch die Menschen: Sabine vom VereinLebenshilfe Kuh und Co., ihr Mann Hubert, der vergnügt Brot und Äpfel ver-fütterte, Peter K. der Landwirt, der auf Lebenstierhaltung umgestiegen ist, seineFrau, die ihn dabei ermutigt und stützt. Diese Menschen haben sich irgendwannentschieden, das Richtige zu tun. Sie haben einen Preis

  • Haustiere

    Kann man Hunde vegan ernähren?

    Ob man Hunde vegan ernähren kann und darf, ist unter Tierhaltern umstritten. In der Wissenschaft herrscht dagegen Klarheit.

    Um zu wissen, wofür der Hund gemacht wurde, muss man ihm nur ins Maul schauen. Die Reißzähne zeigen klipp und klar, dass ihm die Schöpfung keinen Brokkoli, sondern andere Tiere auf die Speisekarte geschrieben hat. Dies bringt viele Hundehalter in ein Dilemma. Einerseits sind sie tierlieb und wissen bestens, dass Tiere keine Automaten sind, sondern Geschöpfe, die zu vielfältigen, auch sonderbaren Empfindungen fähig sind. Dass sie durchs Tierfutter die Massentierhaltung subventionieren – mit ungefähr einer Milliarde Euro im Jahr – dürfte den wenigsten Hundehaltern gefallen. Aber andererseits braucht der Hund halt Fleisch, um gesund zu bleiben. Oder? Soweit man weiss eben nicht. Fast alle Studien, die es dazu gibt, zeigen, dass man Hunde nicht nur problemlos vegan ernähren kann – sondern sie damit auch gesünder und länger leben. 25 Jahre alt und vegan Hunde sind eben keine Wölfe mehr. Sie haben sich mit dem Menschen entwickelt und gelernt, Kohlenhydrate zu verstoffwechseln. Wären sie nicht in der Lage, zu verdauen, was dem Menschen von der Tafel fällt, wären sie längst ausgestorben. Zudem hat das, was im Hundefutter steckt, nichts mit dem guten Fleisch zu tun, das Wölfe reißen. Es sind Schlachtabfälle – Knorpel, Haare, Hufe, Urin – aus einer Massenhaltung, die die Tiere krank und ihr Fleisch ungesund macht. Dementsprechend berichten viele Hundehalter davon, dass eine vegane Ernähr

  • Ernährung & Gesundheit

    Die Ersatzprodukt-Parade

    Bekanntermaßen essen Veganer ihr Gemüse am liebsten, wenn es aussieht und schmeckt wie Würste, Schnitzel oder Burger. Daher stellen wir hier die beliebtesten Ersatzprodukte unserer Redaktions-Kantine vor, die zwar gänzlich fleisch- aber keineswegs schnitzelfrei ist.

    Mühlen Cordon Bleu Niemand, der einmal das vegane Mühlen Cordon Bleu gegessen hat, vermisst je wieder ein echtes Cordon Bleu. Die Panade perfekt knusprig, der Schinken zart, der Käse umschmilzt das Sojaschnitzel herzig-heiß. Einziges Manko ist, dass es relativ fettig ist bei mäßig hohem Proteingehalt. Authentizität ★★★★ Geschmack ★★★★★ Nährstoffe ★★★ Billie Green Salami Mittlerweile gibt es ein reiches Sortiment hervorragender Wurstersatzprodukte. Eine Auszeichnung verdient jedoch die Weizeneiweiß-Salami von Billy Green, ob Klassik, im Baguette-Stil oder mit Pfeffer. Nicht nur schmeckt sie verblüffend echt – sie hat mit 32 Gramm Protein und keinen 10 Gramm Fett auch viel bessere Nährwerte als das Original. Authentizität ★★★★ Geschmack ★★★★ Nährstoffe ★★★★★ GreenForce Kötbullar Kötbullar sind die schwedische Variante der Fleischbällchen. GreenForce hat sie in vegan nachgebaut – und man kann nur staunen: Wie kann etwas aus Erbsen so sehr nach Fleischbällchen schmecken? Fast wie bei Ikea. Die Kötbullar, die man in vielen Supermärkten findet, bereichen Salate, Nudelgerichte und mehr. Authentizität ★★★★★ Geschmack ★★★★ Nährstoffe ★★★ GreenForce Leberkäs Jeder vermisst Leberkäs, den Inbegriff des sündig-schlechten Fleisches – außer die Veganer, die den GreenForce-Leberkäse genießen, entweder zum Selbst-Anrühren oder am Stück aus der Packung. Zwar schmeckt das Produkt aus Erbsen und A

  • Philosophie

    Trolle gegen Veganismus

    Wie die Fleischindustrie das Internet zum Schlachtfeld antiveganer Propaganda macht. Ein aktueller Verdacht.

    Im November 2025 ging ein Reddit-Post in der veganen Community viral. Unter dem Titel „I was paid to discredit veganism online. Ask me anything." – „Ich wurde dafür bezahlt, Veganismus online schlechtzureden. Fragt mich alles." – schilderte ein anonymer Nutzer, wie er ein Jahr lang für eine US-amerikanische Handelsorganisation der Fleischindustrie gearbeitet hatte. Der Post schoss innerhalb von Stunden an die Spitze des Feeds. Tausende kommentierten, teilten, diskutierten. Und viele schrieben dasselbe: Sie hatten das Gefühl, dieser Text beschreibe etwas, das ihnen aus Online-Diskussionen wohlbekannt vorkam. Was der Whistleblower berichtet Der Poster - sein Konto wurde inzwischen gelöscht, der Thread ist aber gut dokumentiert - beschreibt, wie er für 17 Dollar die Stunde im Internet gegen Veganismus gehetzt hat. Laut ihm ruhte das System auf fünf Säulen: Gefälschte Krankengeschichten. Das Team erstellte neue Accounts, gab sich als langjährige Veganer aus und veröffentlichte erfundene Leidensberichte, von Haarausfall bis zur Zwangsstörungen, alles angeblich durch vegane Ernährung verursacht. Massenproduktion von Ex-Veganer-Erzählungen. Sie fabrizierten ganze Gesprächsverläufe in Ex-Veganer-Foren, um den Eindruck zu erwecken, dass in Scharen Menschen aus dem Veganismus „fliehen". Streuung falscher Gesundheitsbehauptungen. Sie verstärkten routinemäßig Ängste vor Nährstoffmängeln, d

  • Ernährung & Gesundheit

    Nährstoffe, die Veganern fehlen könnten

    Die meisten Menschen, die vegan werden, fühlen sich dadurch gesundheitlich rasch besser, oft sogar erheblich. An sich ist das keine Überraschung …

    Wer mehr Pflanzen isst, nimmt weniger Fett und weniger Kalorien zu sich, aber mehr Vitamine, Ballaststoffe und Antioxidantien. Dies ist, nach allem, was die Ernährungsforschung weiß, prima. Die meisten Langzeitstudien bestätigen das. Wo immer man auf Jahrzehnte hin beobachtet, welchen Einfluss die Ernährung auf die Gesundheit hat, zeigt sich, dass Veganer seltener krank werden und später sterben. Bei den meisten Krebsarten ist die Inzidenz unter Veganern deutlich geringer, ebenso bei den meisten Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ob dies daran liegt, dass sie nichts Tierisches zu sich nehmen – wie Veganer gerne sagen – oder daran, dass sie tendenziell gesundheitsbewusster leben – wie Fleischesser oft einwenden –, wird wohl noch lange diskutiert werden. Man könnte sich aber darauf einigen, dass das Vegansein einem gesunden und langen Leben nicht im Weg steht. Wer sich von Obst und Gemüse in allen Farben, vor allem rot, blau und grün, sowie Vollkorn, Hülsenfrüchten, Nüssen und Saaten ernährt, kann kaum etwas falsch machen. Nichtsdestoweniger sollte man einige Nährstoffe im Blick haben und gegebenenfalls supplementieren: Calcium finden Veganer zwar reichlich in Kohlgemüse und Hülsenfrüchte. Da diese aber auch reich an Antagonisten wie Oxalsäure und Phytin sind, die die Calcium-Aufnahme hemmen, kann es dennoch zu einem Mangel kommen, der langfristig der Knochengesundheit schadet. Vitamin

  • Politik & Recht

    Schweinehaltung vor dem Verfassungsgericht

    Wie ein Berliner Antrag das Bundesverfassungsgericht seit sieben Jahren beschäftigt – und warum die Richter die Entscheidung hinauszögern.

    Verstößt das gängige Schweineschnitzel gegen die Verfassung? Diese Frage hat das Land Berlin 2019 durch einen sogenannten „Normenkontrollantrag” zum Bundesverfassungsgericht gebracht. Der Antrag enthält ordentlich Sprengstoff: Er bestreitet, dass die Verordnungen zur Schweinehaltung, wie sie in Deutschland gelten, dem Tierschutzgesetz gerecht werden, dem zufolge jeder Halter „das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen” muss. Da der Tierschutz seit 2002 als Staatsziel verankert ist, würden die Verordnungen damit dem Grundgesetz widersprechen. Der Antrag begründet dies auf 200 Seiten hieb- und stichfest, doch die Richter sträuben sich bisher, den Fall zu bearbeiten. Die Realität in deutschen Schweineställen Um zu verstehen, was der Berliner Antrag angreift, lohnt ein Blick in die Zahlen. Nach den Ergebnissen der Landwirtschaftszählung 2020 standen für die Schweinehaltung in Deutschland 27,8 Millionen Haltungsplätze zur Verfügung. Der Spaltenboden war dabei das dominierende Haltungsverfahren: 96 Prozent der Haltungsplätze in landwirtschaftlichen Betrieben waren Spaltenböden, davon 79 Prozent – rund 22 Millionen Plätze – Vollspaltenböden. Also die für die Schweine schlechteste Version. Von den insgesamt knapp 28 Millionen Haltungsplätzen verfügten nur 337.800 über einen Auslauf im Freien – das entspricht

  • Tierhaltung

    Tierschutzskandale 2025

    ## Hühner: Den Kopf bei lebendigem Leib abgerissen Wenn eine Legehenne ausgedient hat, wird sie meist geschlachtet und als Suppenhuhn verkauft. Die Tierschutzorganisation Aninova hat im größten deutschen Schlachthof für …

    Hühner: Den Kopf bei lebendigem Leib abgerissen Wenn eine Legehenne ausgedient hat, wird sie meist geschlachtet und als Suppenhuhn verkauft. Die Tierschutzorganisation Aninova hat im größten deutschen Schlachthof für Suppenhühner im fränkischen Ansbach ermittelt. Hier werden am Tag rund 100.000 Hennen am Fließband getötet und unter der Marke „Luna Suppenhühner” etwa bei Rewe verkauft. Und als wäre das Leben als Legehenne nicht schon hart genug, werden die Tiere dabei maximal gequält und misshandelt. 500 Stunden Videomaterial zeigen mehr als 500 Vorfälle: Mitarbeiter boxen, schlagen, würgen, werfen die Hühner; ihre Köpfe bleiben manchmal am Schlachtband hängen und werden bei lebendigem Leib abgerissen. Nach der Aufdeckung wurde der Schlachthof geschlossen – und bleibt das wohl auch. Rinder: Jeder Tag in Ketten, das ganze Leben lang Die Tierschutzorganisation Aninova hat in Bretzfeld, Hohenlohe, verdeckt in einem Milchbetrieb gefilmt. Rund 50 Kühe leben das ganze Jahr – ihr ganzes Leben – in einer engen Anbindehaltung, die ihnen kaum erlaubt, sich zu bewegen und miteinander zu interagieren. Die Milch wird von der Molkerei Hohenlohe abgeholt und etwa bei Edeka oder Rewe verkauft. Anders als in Schweden, Österreich und der Schweiz ist die ganzjährige Anbindehaltung in Deutschland legal. Rund eine Million Rinder leiden unter dieser Haltungsform, insbesondere in Bayern. Allerdings ha

  • Ernährung & Gesundheit

    „Unsere Tierhaltung macht die Tiere krank – und damit auch die Menschen.“

    Oft hört man, dass das Gesundheitswesen an seinem Limit arbeite, da immer weniger Ärzte immer mehr Kranke versorgen. Die Lösung dafür wäre, meint Dr. Buck, verblüffend einfach: „Wenn sich die …

    Oft hört man, dass das Gesundheitswesen an seinem Limit arbeite, da immer weniger Ärzte immer mehr Kranke versorgen. Die Lösung dafür wäre, meint Dr. Buck, verblüffend einfach: „Wenn sich die Leute mehr bewegen und sich besser ernähren würden, hätte ich 80 Prozent weniger Patienten.” Der Ulmer Orthopäde betreut neben hunderten von Patienten auch die Fußballer des SSV Ulm sowie die Nationalmannschaft der Leichtathleten. Aus seinen Erfahrungen weiß er, dass eine falsche Ernährung der Gesundheit und der Leistungsfähigkeit abträglich ist und eine sinnvolle Umstellung beides verbessert. Zwei Probleme, eine Lösung Ein großes Problem sind „kurzkettige Kohlenhydrate“, vor allem Zucker und raffiniertes Weizenmehl. „Das ist praktisch Gift.“ Der Stoffwechsel spaltet kurzkettige Kohlenhydrate rasch in das kleinste Bauelement Glucose auf, wodurch starke Insulinausschüttungen ausgelöst werden. Dies führt unter anderem zu den berüchtigten Heißhungerattacken. Zudem lagert sich Glucose als Säure im Bindegewebe ab, was Entzündungen auslösen und weitere Hormonprozesse negativ beeinflussen kann. Das zweite Problem ist zu viel fettiges Fleisch. „Ein großes Problem sehe ich in der Haltung der Tiere. Sie macht Tiere krank und infolge auch die Menschen, die ihr Fleisch essen.“ Der hohe Fettanteil von etwa Schweinefleisch stört den Fettstoffwechsel, schlechte Fettsäuren verstopfen die Gefäße und verurs

  • Ernährung & Gesundheit

    Österreich bildet erste vegane Köche aus

    In Österreich starteten 2025 die weltweit ersten Ausbildungen zum vegetarischen und veganen Koch. Dies lockt auch Auszubildende aus Deutschland an, wo die Lehre noch zu weiten Teilen darin besteht, Tierleichenteile …

    In Österreich starteten 2025 die weltweit ersten Ausbildungen zum vegetarischen und veganen Koch. Dies lockt auch Auszubildende aus Deutschland an, wo die Lehre noch zu weiten Teilen darin besteht, Tierleichenteile zu verarbeiten. Möglich gemacht haben die Ausbildung Parlamentarier der Grünen sowie die Vegane Gesellschaft Österreichs – und wie es aussieht, erfreut sie sich schon jetzt reger Beliebtheit.

Regionales

  • Interviews

    „Ungerechtigkeit tut mir körperlich weh.“

    Die Ulmerin Miriam Broux sitzt im Bundesvorstand der Partei Mensch Umwelt Tierschutz und trat bei der letzten Landtagswahl als Spitzenkandidatin an. Hier im Interview.

    Interview von Rouven Zietz Der vegane Schokokuchen bleibt fast unberührt. Miriam Broux hat ihn bestellt, dazu einen Cappuccino, aber zum Essen kommt sie kaum während unseres fast zweistündigen Gesprächs. Am Nachbartisch im Café Aegis spielen Studenten Karten, zwei Tische weiter klackern die Steine eines Backgammon-Spiels. Broux, 37, ist in Ulm geboren und mit der Stadt verwachsen. Sie kämpft für Ziele, an die sonst kaum jemand glaubt. Das mit dem körperlichen Schmerz – wie meinst du das? Ich bin neurodivergent, vergangenes Jahr habe ich meine ADHS-Diagnose bekommen. Dazu gehört oft ein starker Gerechtigkeitssinn, und der trifft auf mich wirklich zu. Wenn ich Ungerechtigkeit sehe, ist das kaum auszuhalten, fast ein physischer Schmerz. Diesen Weltschmerz trage ich seit der Pubertät in mir. Und mit ihm das Bedürfnis, etwas Sinnstiftendes zu tun. Ich meckere nicht nur, ich überlege, was ich tun kann. Wann wurde aus diesem Gefühl Politik? 2017. Damals stimmte der CSU-Agrarminister Christian Schmidt auf EU-Ebene für die Verlängerung von Glyphosat, gegen die Absprache mit der Umweltministerin. Da dachte ich: Es kann doch nicht sein, dass Profitgier über dem Verbraucherschutz steht. Wir vergiften Böden, Insekten und Vögel und wissen bei vielem nicht, was wir anrichten. Da war für mich klar: Ich muss selbst dahin, wo entschieden wird. Damit ich mit Bayer, Monsanto und Co. überhaupt auf

  • Tiere in der Region

    Der NABU sorgt in der Region für Wildvögel

    Bald, wenn ab April die ersten Vögel brüten, wird sich Wiltrud Spieckers Haus wieder mit Jungvögeln füllen, die aus dem Nest gefallen sind, nach dem Ausfliegen verirrt haben, von Katzen …

    Bald, wenn ab April die ersten Vögel brüten, wird sich Wiltrud Spieckers Haus wieder mit Jungvögeln füllen, die aus dem Nest gefallen sind, nach dem Ausfliegen verirrt haben, von Katzen gefangen oder anderweitig hilfsbedürftig geworden sind. Die Sprecherin des NABU Ulm/Neu-Ulm nimmt solche Kleinvögel, die Leute in ihren Gärten finden, entgegen und päppelt sie fachkundig auf. Ab dem späten Frühjahr singen und flattern rund 30 bis 40 Vögel im Haus der Biologin umher, etwa Meisen, Spatzen, Amseln und Schwalben. Solange die Vögel sie als Ersatzmutter anerkennen, sind sie zutraulich, manchmal sogar regelrecht aufdringlich; wenn sie selbständig werden, werden sie aber in der Regel scheu und vorsichtig. Im Oktober, wenn die Ästling-Saison zu Ende geht, kehrt langsam wieder Ruhe im Hause Spiecker ein, was die Tierschützerin zugleich erleichtert und betrübt. Die Wildvögel sind ein Schwerpunktthema des NABU. Der Naturschutzbund vertritt deren Interessen auch bei der Stadtplanung, etwa in Neubaugebieten. Hier sind etwa große Glasflächen gefährlich, an denen nach Hochrechnungen in Deutschland etwa 100 Millionen Vögel pro Jahr sterben. Die Stadt ist verpflichtet, den Rat des NABU anzuhören, doch immer durchsetzen können sich die Naturschützer nicht. Auch praktisch schützt der NABU die Wildvögel. Die Mitglieder installieren etwa Nisthilfen für Eisvögel – die man in der Friedrichsau beobachte

  • Gastronomie

    Die vegane Speisekarte

    Wenn Veganer essen gehen, sparen sie Zeit bei der Auswahl. Schließlich gibt es meistens eh nur ein oder zwei Gerichte. Die Vegane Speisekarte macht’s noch einfacher: Sie bringt die veganen Optionen von 20 Restaurants in der Region auf eine einzige Karte.

    Wenn Veganer essen gehen, sparen sie Zeit bei der Auswahl. Schließlich gibt es meistens eh nur ein oder zwei Gerichte. Die Vegane Speisekarte macht’s noch einfacher: Sie bringt die veganen Optionen von 20 Restaurants in der Region auf eine einzige Karte. Gasthof zur Münz (Günzburg) – Gemischter Salat; Pommes Zebrano (Günzburg) – Pommes; Nudeln mit Tomatensoße; Veganer Burger Gaststätte Zur Post (Leipheim) – Gemischter Salat; Gegebenenfalls Wochengerichte Gasthaus zur Linde (Günzburg) – Gemischter Salat; Allgäuer Krautkrapfen Pfannkuchenhaus (Ulm) – Gemischter Salat; Pommes Klosterbräustuben (Obereichingen) – Gemischter Salat; Pommes; Gefüllte Paprikaschoten; Krautkrapfen Barfüßer (Weißenhorn) – Beilagensalat; Falafel Bowl; Pommes Anno 1460 (Weißenhorn) – Gemischter Vorspeisensalat & Cherrytomaten; Orientalisch gefüllte rote Paprika; In Maismehl gebackenes Gemüse; Asiatische Gemüsepfanne; Süßkartoffel-Pommes Restaurant Posthorn (Neu-Ulm) – Grillgemüse (Ohne Parmesan bestellen) Taverne zum Griechen (Neu-Ulm) – Fava mit Kapern; Gegrillte Artischockenherzen; Oliven und Peperoni; Knoblauchbrot; Rosmarinkartoffeln Meteora (Senden) – Vorspeisen (Riesenbohnen, Oliven, Fladenbrot, Knoblauchbrot, gegrillte Paprika); Bohnensuppe; Kartoffelscheiben; Beilagensalat Oberland (Illertissen) – Geröstetes Weißbrot; Gegrillte Peperoni; Gemischter Salat Carina’s ur’Schlössle (Unterknöringen) –

  • Tiere in der Region

    Leben und leiden lassen

    Eines gilt für fast alle Tiere in der Region: Sie sind vom Menschen abhängig. Manchmal zu ihrem Wohl – häufiger aber zu ihrem Leid.

    Wir Menschen beherrschen und verwalten den gesamten Lebensraum, selbst da, wo er noch natürlich wirkt – einschließlich der Tiere in ihm. Am deutlichsten wird dies im Leben der Nutztiere, der Schweine, Rinder, Hühner, Truthähne, Schafe. Ihr Leben unterliegt einer lückenlosen Kontrolle durch die Menschen. In den ausgedehnten Landkreisen Neu-Ulm und Günzburg leben etwa 60.500 Rinder, 32.500 Schweine und 11.300 Schafe oder Ziegen. Allein in Neu-Ulm werden 76.000 Hühner, Truthähne und andere Geflügelarten gehalten. Schweinezüchter findet man vor allem in der Region um Ehingen. Hier liefern viele Züchter ihre Ferkel an den Vermarkter Schleker. Nicht weit davon, im Ulmer Donautal, befindet sich einer der größten Schlachthöfe Süddeutschlands, und in Günzburg stellt OSI die Patties für McDonalds her. An der Massentierhaltung hängen zahlreiche Jobs, vermutlich Zehntausende. Allein in Günzburg gibt es 700 Rinder- und 140 Schweinehalter sowie hunderte Geflügelhalter. Dazu kommen die Schlachthöfe, Molkereien, Metzger, Köche, Tierärzte … Eingriffe in Lebensräume Die meisten Nutztiere leben unter unvorstellbar fürchterlichen Bedingungen. Der Mensch tritt ihnen gegenüber buchstäblich als Dämon auf. Um sie an die Haltungssysteme anzupassen, amputiert er den Puten die Schnäbel und den Ferkeln die Ringelschwänze; nach einem kurzen, freudlosen Leben tötet er sie dann, fast noch im Kindesalter. Imm

  • Tiere in der Region

    Tauben in der Stadt Ulm

    Stadttauben zeigen, wie sich die Beziehung zwischen Mensch und Tier zum Besseren verändern kann. Früher hielt man sie in engen Schlägen auf dem Speicher, um ihre Eier und ihr Fleisch …

    Stadttauben zeigen, wie sich die Beziehung zwischen Mensch und Tier zum Besseren verändern kann. Früher hielt man sie in engen Schlägen auf dem Speicher, um ihre Eier und ihr Fleisch zu essen. Heute brüten sie frei und bevölkern gurrend, fliegend und pickend unsere Innenstädte. Stadttauben stammen nicht, wie man manchmal meint, von den hier beheimateten Ringeltauben ab, sondern von Felsentauben. Man kann das an ihren etwas mitleiderregenden Versuchen erkennen, Nester zu bauen. Sie sind es gewohnt, in Felsvorsprüngen zu nisten, weshalb wenige Zweige ausreichen. In Mauernischen, wie etwa in Ulm zwischen Xinedom und Deutschhaus, gelingt dies auch gut; auf Bäumen und anderen Punkten wirkt es eher traurig. Die Tauben wurden auch nicht als fliegender Briefträger domestiziert, sondern als Nahrungsmittel, vor allem für die arme Stadtbevölkerung. Sie sind darauf gezüchtet, rasch Fleisch anzusetzen und viele Eier zu legen. Sie brüten bis zu neun Mal im Jahr, unabhängig vom Nahrungsangebot. Für viele Tauben wurde der zweite Weltkrieg schließlich zum Befreiungsschlag. Als die britischen Bomben rund 80 Prozent von Ulm zerstörten, entkamen viele von ihnen. Wie viele Tauben konkret in Ulm und Neu-Ulm leben, hat natürlich niemand gezählt. Man sagt aber, dass auf drei Einwohner einer Großstadt pi mal Daumen eine Taube kommt, womit wir bei etwa 40.000 Tauben in Ulm und 20.000 in Neu-Ulm wären. D

  • Tiere in der Region

    Tote Möwen und Schwalben im Plessenteich

    Unter Naturschützern in der Region weckt die derzeitige Vogelgrippe-Epidemie Erinnerungen an das Frühjahr 2023. Als Nachhall der großen Welle von 2021/22 breitete sich das Virus im Plessenteich aus, einem renaturierten Baggersee im Neu-Ulmer Stadtgebiet, an dem rund 233 Vogelarten leben.

    Anstatt wie gewohnt Brutvögel zu beobachten, mussten die Naturschützer des Gerlenhofener Arbeitskreises Umweltschutz (GAU) im Frühjahr 2023 tote Möwen und Schwalben aufsammeln. Weil Greifvögel und Eulen die Kadaver gefressen hatten, die am Ufer lagen, breitete sich die Epidemie auch auf diese aus, möglicherweise auch auf Rabenvögel. In der Folge kam es zu einem sehr schlechten Brutjahr am Plessenteich, bei Möwen und Seeschwalben beinahe zum Totalausfall. Bei den Möwen hat sich die Population mittlerweile wieder einigermaßen erholt, während Seeschwalben selten bleiben. Eine weitere Vogelgrippe-Saison könnte dem Bestand erheblich zusetzen. Immerhin darf man hoffen, dass die aktuelle Welle am Plessenteich vorüberzieht, da die Seevögel dort, anders als Stallvögel, noch durch die letzte Epidemie immunisiert sind.

  • Tiere in der Region

    Angelseen an der Donau

    Kaum etwas prägt die Region so stark wie der Bau der Autobahnen. Aber nicht, weil ihre Betonspuren graugerade durch die Landschaft schneiden, sondern weil man für ihren Bau unzählige Kiesgruben …

    Kaum etwas prägt die Region so stark wie der Bau der Autobahnen. Aber nicht, weil ihre Betonspuren graugerade durch die Landschaft schneiden, sondern weil man für ihren Bau unzählige Kiesgruben an der Donau ausgehoben hat. Aus diesen entstand zwischen Ulm und Leipheim ein in Süddeutschland seltenes Paradies aus Baggerseen – zur Freude von Wasserratten und Anglern, die aus ganz Süddeutschland anreisen, aus Stuttgart, München, Füssen. An sonnigen Tagen kaufen mehr als 100 Personen im Angelcenter Elchingen Tageskarten für einen der mehr als 20 Seen, die der Laden betreut. Es gibt aber noch viele weitere, allein 33 Gewässer des Ulmer Angelvereins. Gefischt werden vorwiegend Hecht und Karpfen, aber auch Giebel, Zander, Schleie, Brachse und andere. Dass die Fische es nicht eben toll finden, so gewaltsam aus dem Leben gerissen zu werden, versteht sich von selbst. Aber immerhin durften sie, im Gegensatz zu Schweinen, bis dahin in Freiheit leben. Und anders als die Meeresfischer rotten die Angelvereine die Fischarten nicht aus, sondern sorgen dafür, dass die Bestände in den Seen stabil bleiben.

  • Gastronomie

    „Mein Lieblingsessen ist immer noch der Zwiebelrostbraten mit Kässpätzle“

    Man sieht Hartmut Distel nicht eben an der Nase an, dass er ein veganer Ernährungsberater ist. Zumindest entspricht der 56-Jährige nicht dem Klischee, dass Veganer nur Möhren und Tofu essen …

    Man sieht Hartmut Distel nicht eben an der Nase an, dass er ein veganer Ernährungsberater ist. Zumindest entspricht der 56-Jährige nicht dem Klischee, dass Veganer nur Möhren und Tofu essen und dauernd Yoga üben. Distel, der auch Serviceleiter der Virtschaft ist, Ulms veganem Restaurant, stellt sich unverkrampft als „Hardy” vor. Er wurde vor acht Jahren vegan, nachdem er einen Herzinfarkt erlitten hatte. Weil er dem Tod von der Schippe gesprungen war, reflektierte er vieles, darunter das ethische Problem, dass Tiere leiden, Gewalt erfahren oder sterben müssen, damit er seinen geliebten Zwiebelrostbraten nach Allgäuer Art mit Kässpätzle essen kann. Ohne Tod kein Fleisch „Ich habe mir lange eingeredet, dass es ok ist, wenn ich mein Fleisch beim Metzger kaufe. Aber das ist es nicht. Je mehr ich mich informierte, umso klarer wurde mir, dass es kein Fleisch, keine Milch und keine Eier ohne Gewalt, Tod und Ausbeutung gibt,” erzählt Hardy. Mit der Entscheidung, fortan vegan zu leben, verlor er aber nicht seine Liebe zu Rostbraten und Spätzle. So einfach läuft es nicht. Also recherchierte und experimentierte er. Spätzle kann man etwa mit weniger Wasser herstellen, so dass sie auch ohne Ei fest werden, alternativ verwendet Hardy gerne Johannisbrotmehl oder eben den Eiersatz, den man im Supermarkt kaufen kann. Das Original womöglich übertroffen Auch auf seinen geliebten Cappuccino mit Mi

  • Aktivismus

    PETA Street Team

    „Der Aktivismus hat mich selbstbewusster gemacht.“

    Tierrechte und Tierschutz sind 2025 nicht mehr irgendein „Tabu-Thema“, sondern eines, das junge Menschen laut, sichtbar und politisch macht. Etwa den 27-jährigen Ulmer Aktivisten Johannes Held, der im Sommer 2025 entschieden hat, den Tierrechts-Aktivismus in Ulm neu aufleben zu lassen. Schon früher war Johannes Mitaktivist der mittlerweile inaktiven Ulmer Earthlings. Im vergangenen Jahr stellte er das PETA-Streetteam auf die Beine, eine Gruppe aus 20 Leuten, die Aktionen planen und zusammen die Öffentlichkeit suchen. Das Besondere: Sie müssen das Demomaterial nicht selbst basteln. Die Tierschutzorganisation PETA stellt Flyer, Banner, Plakate und Kostüme zur Verfügung. Dadurch wirken die Demos nicht wie hemdsärmelig vorbereitet, sondern professionell und einheitlich, was für die Reichweite und Wahrnehmung wichtig ist. Johannes’ Engagement kommt nicht aus dem Nichts. Er wurde schon mit 15 vegan, zu einer Zeit, in der es noch keine „veganen Chicken Nuggets“ in jedem Supermarkt gab. Früher hatte er sich nichts sehnlicher gewünscht, als einen Freund, der auch vegan ist. Heute hat er eine Gemeinschaft mit dem gleichen Mindset: sein Team. Mit seinen Mitstreitern hat er schon mehrere Aktionen auf die Beine gestellt: Der Veganstart im Juni, Zoos abschaffen im August, Hundemilch im September sowie Tiere raus aus dem Zirkus und vegane Festtage im Dezember. Sehr spannend war auch eine Demo

  • Interviews

    „Was sagen Sie zur gesellschaftlichen Wende zum Veganismus?“

    Klar: Längst nicht jeder lebt vegan, im Grunde nur eine kleine Minderheit. Aber weil fast jeder eine Meinung hat, wenn es ums Essen geht, hat sich die Vegionale in Ulm und Günzburg umgekehrt: Was denken die Leute darüber, dass der Veganismus auf dem Vormarsch ist?

    Günzburg, Fußgängerzone Frank, 50, Polizist „Unsinn finde ich das! Das Huhn legt ja so oder so Eier. Ich habe aber schon mitbekommen, wie andere aus meinem Umfeld vegan geworden sind. Bei denen klappt das auch echt gut. Für mich wäre es trotzdem nichts. Mir würden Fleisch und Käse zu sehr fehlen.” Simon, 46, Klempner „Super. Mir selbst schmeckt Fleisch zwar sehr, aber aus Respekt vor den Tieren esse ich es kaum noch. Jedes halbe Jahr mal ein gutes Steak. Vermutlich würde ich darauf auch verzichten, wenn mir jemand vor Ort zeigen würde, wie es in der Haltung wirklich zugeht.” Johanna, 44, Kassiererin „Es ist fürchterlich, wie wir Tiere für unsere Belange quälen und schlachten. Zum Teil wirft man sie ja einfach weg, weil man zu viel produziert. Wie das schon klingt! Ich habe 18 Jahre lang weder Fleisch gegessen noch Milch getrunken. Damit ging es mir sehr gut. Auf Eier verzichte ich nicht, und Fleisch esse ich heute wieder, aber nur an besonderen Tagen.” Amari, 14, Schülerin „Ich bekomme vom Thema wenig mit. Ich kenne keine Veganer oder Vegetarier. Vielleicht ist das Thema in Hamburg groß. Hier aber nicht. Ich mag Tiere ja, aber in meinem Alter beschäftigt sich niemand damit. Massentierhaltung unterstütze ich trotzdem nicht.” Ulm, Weihnachtsmarkt Klara, 21, Studentin „Man sollte machen, was man für richtig hält. Ich könnte nicht vegan leben. Das ist mir zu radikal. Ich esse doch

  • News

    Ulm richtet dritten Taubenschlag ein

    Stadttauben stammen von domestizierten Felsentauben ab. Sie wurden nicht gezüchtet, um Briefe zu transportieren, wie man manchmal denkt, sondern um schnell Fleisch anzusetzen und viele Eier zu legen. Man hielt …

    Stadttauben stammen von domestizierten Felsentauben ab. Sie wurden nicht gezüchtet, um Briefe zu transportieren, wie man manchmal denkt, sondern um schnell Fleisch anzusetzen und viele Eier zu legen. Man hielt sie in Schlägen auf Speichern als Nahrungsquelle, vor allem für arme Bürger. Als während des Zweiten Weltkrieges viele Stadthäuser zerstört wurden, entkamen viele Tauben in die Freiheit. Andere entließ man, als sich die Versorgung mit Nahrungsmitteln verbesserte. Dass die Tauben nicht länger als Futtertiere gehalten werden, ist ein großer, oft verkannter Erfolg der Tierbefreiung. Allerdings sind sie in der Wildnis nicht überlebensfähig. Sie klammern sich daher an die menschliche Zivilisation und picken, was sie in der Stadt finden. Gleichzeitig vermehren sie sich besonders stark, da sie gezüchtet wurden, um viele Eier zu legen. Dies hat in vielen Städten mittlerweile zu Taubennotständen geführt. So auch in Ulm. Hier nimmt man die Verantwortung an, die Menschen gegenüber den von ihnen geschaffenen Geschöpfen haben. Der AG Stadttauben sowie die Stadtverwaltung richten Taubenschläge ein: Bauwagen, die zu mobilen Taubenhäusern umgebaut sind. In ihnen finden die Vögel artgerechte Nahrung, was auch deren Verdauung sichtbar verbessert. Außerdem ersetzen sie die Eier durch Attrappen, um die Vermehrung zu kontrollieren. Mittlerweile gibt es in Ulm drei Taubenschläge: am Ehinger To

  • Haustiere

    „Rausfinden, was funktioniert – und dann hartnäckig bleiben“

    Lena Probst leitet die Ulmer Hundeschule Pedadogical und resozialisiert Problemhunde, die zum Teil auch schon gebissen haben. Hier gibt sie neun Tipps zur Hundeerziehung.

    1. Die Rasse ist nicht alles, aber auch nicht nichts Ein Rottweiler ist in der Tendenz anders als ein Labrador. Labradore sind als Familien- und Jagdhunde gezüchtet, Rottweiler, um Rinder zu treiben. Daher sollten sie auch unerschrocken bleiben, wenn ein Rindvieh nach ihnen tritt, was für viele Halter eine (zu) große Herausforderung ist. 2. Nur positive Erziehung funktioniert selten Viele Hundetrainer raten, falsches Verhalten zu ignorieren und richtiges zu belohnen. Das kann (manchmal) bei einem Bilderbuch-Labrador funktionieren. Aber wenn ein Rottweiler einen anderen Hund fressen möchte, sollte man das nicht ignorieren. 3. Alle vier Quadranten einsetzen Es gibt vier Quadranten der Lerntheorie: positive und negative Verstärkung sowie positive und negative Strafe. Sie sind, je nach Hund und Problem, nützlich, um dem Hund klar zu machen, was er darf und was nicht. Wenn er das nicht weiß, horcht er auch nicht. 4. Die richtige Methode ist individuell Nicht jede Korrektur klappt bei allen Hunden. Bei meiner pubertierenden Rottweilerhündin hilft es, sie festzuhalten, bis sie akzeptiert, dass sie wo nicht hin darf. Bei anderen Hunden klappt Anleinen, Ignorieren, Wegschicken, klare Ansprachen oder mehr. Das muss man (mit kompetenter Anleitung) herausfinden. 5. Von Hunden lernen Auch wenn der Hund beim zigten Versuch nicht hört, muss man ruhig bleiben. Ich atme dann durch und überlege

Vegane Gastronomie

  • Karte

    Vegane Gastronomie in der Region

    Alle im Heft besprochenen veganen und vegan-freundlichen Lokale in Ulm, Neu-Ulm und Günzburg — mit Marker auf einer Karte.

    Grün heißt ganz und gar vegan, blau „einen Versuch wert". Tippe auf einen Marker für Adresse, Angebot und Website.

  • Gastronomie

    Die vegane Speisekarte

    Wenn Veganer essen gehen, sparen sie Zeit bei der Auswahl. Schließlich gibt es meistens eh nur ein oder zwei Gerichte. Die Vegane Speisekarte macht’s noch einfacher: Sie bringt die veganen Optionen von 20 Restaurants in der Region auf eine einzige Karte.

    Wenn Veganer essen gehen, sparen sie Zeit bei der Auswahl. Schließlich gibt es meistens eh nur ein oder zwei Gerichte. Die Vegane Speisekarte macht’s noch einfacher: Sie bringt die veganen Optionen von 20 Restaurants in der Region auf eine einzige Karte. Gasthof zur Münz (Günzburg) – Gemischter Salat; Pommes Zebrano (Günzburg) – Pommes; Nudeln mit Tomatensoße; Veganer Burger Gaststätte Zur Post (Leipheim) – Gemischter Salat; Gegebenenfalls Wochengerichte Gasthaus zur Linde (Günzburg) – Gemischter Salat; Allgäuer Krautkrapfen Pfannkuchenhaus (Ulm) – Gemischter Salat; Pommes Klosterbräustuben (Obereichingen) – Gemischter Salat; Pommes; Gefüllte Paprikaschoten; Krautkrapfen Barfüßer (Weißenhorn) – Beilagensalat; Falafel Bowl; Pommes Anno 1460 (Weißenhorn) – Gemischter Vorspeisensalat & Cherrytomaten; Orientalisch gefüllte rote Paprika; In Maismehl gebackenes Gemüse; Asiatische Gemüsepfanne; Süßkartoffel-Pommes Restaurant Posthorn (Neu-Ulm) – Grillgemüse (Ohne Parmesan bestellen) Taverne zum Griechen (Neu-Ulm) – Fava mit Kapern; Gegrillte Artischockenherzen; Oliven und Peperoni; Knoblauchbrot; Rosmarinkartoffeln Meteora (Senden) – Vorspeisen (Riesenbohnen, Oliven, Fladenbrot, Knoblauchbrot, gegrillte Paprika); Bohnensuppe; Kartoffelscheiben; Beilagensalat Oberland (Illertissen) – Geröstetes Weißbrot; Gegrillte Peperoni; Gemischter Salat Carina’s ur’Schlössle (Unterknöringen) –

  • Interviews

    „Heute machen Gerichte mit Fleisch nur noch ein gutes Viertel aus“

    Die Mensa der Universität Ulm serviert jeden Tag rund 2.000 Speisen – den größten Teil davon mittlerweile vegan oder vegetarisch. Mensaleiter Dieter Stock erklärt im Interview, wie sich die Ernährungsweisen ändern – und was das für die Systemgastronomie bedeutet.

    Sie wurden vor kurzem von PETA zu einer der veganfreundlichsten Mensen in Deutschland gekürt. Haben Sie darauf hingearbeitet? Nicht konkret auf die Auszeichnung. Aber wir verstehen sie als Wertschätzung dafür, dass wir unser veganes Speisenangebot kontinuierlich entwickeln. Damit werden wir unserer Verantwortung als Großversorger gerecht und reagieren auf die geänderte Nachfrage. Wie integrieren Sie vegane Speisen in Ihr Angebot? Wir haben seit 2020 vier Speiselinien. Fleisch enthält nur noch die Linie „Fleisch und Fisch”, während „Klima Prima” vollständig vegan ist. Die anderen beiden Linien, „Sattmacher” und „Topf und Pfanne”, sind vegan oder vegetarisch. Dazu gibt es Aktionstheken, etwa mit Röstis, hausgemachter Pasta oder Pizza. Gibt es die Pizza auch in vegan? Ja. Wir testen die veganen Käsealternativen, auch für Käsebrötchen in der Cafeteria. Nicht jede ist geeignet, aber das Angebot entwickelt sich rasch, was für mich spannend zu beobachten ist. Apropos Cafeteria: Bieten Sie auch pflanzliche Milch für Kaffee an? Natürlich. Unsere Vollautomaten geben Kaffee seit einigen Jahren sowohl mit Kuh- als auch Hafermilch aus. Dabei wählen bereits 22 Prozent Haferdrink, 40 Prozent die Kuhmilch und der Rest ohne. Milch wird also schon fast zur Hälfte pflanzlich ausgegeben. Das ist bemerkenswert. Wie sieht es bei den Speisen aus? Ähnlich gut. Der Anteil veganer und vegetarischer Geri

Ersatzprodukte

  • Ernährung & Gesundheit

    Die Ersatzprodukt-Parade

    Bekanntermaßen essen Veganer ihr Gemüse am liebsten, wenn es aussieht und schmeckt wie Würste, Schnitzel oder Burger. Daher stellen wir hier die beliebtesten Ersatzprodukte unserer Redaktions-Kantine vor, die zwar gänzlich fleisch- aber keineswegs schnitzelfrei ist.

    Mühlen Cordon Bleu Niemand, der einmal das vegane Mühlen Cordon Bleu gegessen hat, vermisst je wieder ein echtes Cordon Bleu. Die Panade perfekt knusprig, der Schinken zart, der Käse umschmilzt das Sojaschnitzel herzig-heiß. Einziges Manko ist, dass es relativ fettig ist bei mäßig hohem Proteingehalt. Authentizität ★★★★ Geschmack ★★★★★ Nährstoffe ★★★ Billie Green Salami Mittlerweile gibt es ein reiches Sortiment hervorragender Wurstersatzprodukte. Eine Auszeichnung verdient jedoch die Weizeneiweiß-Salami von Billy Green, ob Klassik, im Baguette-Stil oder mit Pfeffer. Nicht nur schmeckt sie verblüffend echt – sie hat mit 32 Gramm Protein und keinen 10 Gramm Fett auch viel bessere Nährwerte als das Original. Authentizität ★★★★ Geschmack ★★★★ Nährstoffe ★★★★★ GreenForce Kötbullar Kötbullar sind die schwedische Variante der Fleischbällchen. GreenForce hat sie in vegan nachgebaut – und man kann nur staunen: Wie kann etwas aus Erbsen so sehr nach Fleischbällchen schmecken? Fast wie bei Ikea. Die Kötbullar, die man in vielen Supermärkten findet, bereichen Salate, Nudelgerichte und mehr. Authentizität ★★★★★ Geschmack ★★★★ Nährstoffe ★★★ GreenForce Leberkäs Jeder vermisst Leberkäs, den Inbegriff des sündig-schlechten Fleisches – außer die Veganer, die den GreenForce-Leberkäse genießen, entweder zum Selbst-Anrühren oder am Stück aus der Packung. Zwar schmeckt das Produkt aus Erbsen und A

  • Gastronomie

    „Mein Lieblingsessen ist immer noch der Zwiebelrostbraten mit Kässpätzle“

    Man sieht Hartmut Distel nicht eben an der Nase an, dass er ein veganer Ernährungsberater ist. Zumindest entspricht der 56-Jährige nicht dem Klischee, dass Veganer nur Möhren und Tofu essen …

    Man sieht Hartmut Distel nicht eben an der Nase an, dass er ein veganer Ernährungsberater ist. Zumindest entspricht der 56-Jährige nicht dem Klischee, dass Veganer nur Möhren und Tofu essen und dauernd Yoga üben. Distel, der auch Serviceleiter der Virtschaft ist, Ulms veganem Restaurant, stellt sich unverkrampft als „Hardy” vor. Er wurde vor acht Jahren vegan, nachdem er einen Herzinfarkt erlitten hatte. Weil er dem Tod von der Schippe gesprungen war, reflektierte er vieles, darunter das ethische Problem, dass Tiere leiden, Gewalt erfahren oder sterben müssen, damit er seinen geliebten Zwiebelrostbraten nach Allgäuer Art mit Kässpätzle essen kann. Ohne Tod kein Fleisch „Ich habe mir lange eingeredet, dass es ok ist, wenn ich mein Fleisch beim Metzger kaufe. Aber das ist es nicht. Je mehr ich mich informierte, umso klarer wurde mir, dass es kein Fleisch, keine Milch und keine Eier ohne Gewalt, Tod und Ausbeutung gibt,” erzählt Hardy. Mit der Entscheidung, fortan vegan zu leben, verlor er aber nicht seine Liebe zu Rostbraten und Spätzle. So einfach läuft es nicht. Also recherchierte und experimentierte er. Spätzle kann man etwa mit weniger Wasser herstellen, so dass sie auch ohne Ei fest werden, alternativ verwendet Hardy gerne Johannisbrotmehl oder eben den Eiersatz, den man im Supermarkt kaufen kann. Das Original womöglich übertroffen Auch auf seinen geliebten Cappuccino mit Mi