Titelthema
Fledermäuse in Höhlen auf der Alb
Es gibt in Deutschland mehr als zwei Dutzend Fledermausarten, die fast allesamt bedroht sind. Viele überwintern in Höhlen auf der Alb - und werden dort auch vom Blaubeurener Höhlenverein geschützt.
Sie heißen „großer Abendsegler” oder „braunes Langohr”. In Deutschland gibt es 25 Fledermausarten, von denen 23 als gefährdet gelten. Nur zwei von ihnen stehen nicht auf der roten Liste.
Die Bestände an Fledermäuse sind in den letzten 50 Jahren dramatisch zurückgegangen. Die Ursachen sind dieselben wie bei vielen anderen Problemen, erklärt der NABU: “Unsere Fledermäuse ernähren sich grundsätzlich von Insekten. Doch seit einiger Zeit beobachten wir einen alarmierenden Rückgang unter ihnen, dessen Umfang noch keiner genau kennt”. Eine Studie in Nordrhein-Westfalen zeigte, dass die Gesamtbiomasse der Insekten in nur 15 Jahren um schockierende 80 Prozent geschrumpft ist. So wie vielen Vogelarten geht Fledermäusen die Nahrung aus.
Ein wesentlicher Grund liegt in den Insektiziden, auf die die moderne Landwirtschaft angewiesen ist. Besonders drastisch war die Wirkung von DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan), welches nicht nur in der Landwirtschaft eingesetzt wurde, sondern auch als Holzschutzmittel in Dachstühlen, wo viele Fledermäuse schliefen. Über die verspeisten Insekten reicherten sich die fettlöslichen Toxine in Fledermäusen an. In Zeiten großen Energieverbrauchs, etwa beim Aufwachen aus dem Winterschlaf, werden sie wieder freigesetzt und können zum Tod führen.
DDT wurde zwar 1972 verboten, nicht aber Insektizide an sich. Diese schützen weiterhin die Ernte der Landwirte, indem sie Insektenpopulationen flächendeckend vernichten oder reduzieren.
Ein weiterer Grund für die Bedrohung der Fledermäuse liegt in der zunehmenden Ordnung der Welt, in der morsche Bäume und verfallene Häuser rasch aufgeräumt werden, wodurch die Fledermäusen sichere Unterkünfte verlieren. Auch Windräder töten im Jahr schätzungsweise 250.000 Fledermäuse, sowohl durch direkte Kollision als auch das Barotraume, das die Druckveränderungen an den Rotorblättern verursachen.
Zu allem Übel erreichen die Tiere ein für ihre Körpergröße biblisches Alter von mehr als 20 Jahren. Die Faustregel, dass kleine Tiere schnell leben und jung sterben greift bei Fledermäusen nicht. Während normale Mäuse mit vier Jahren sterben und sich mit der r-Strategie vermehren – viel Nachwuchs, bis zu 100 je Jahr, von denen es nur wenige schaffen – arbeiten Fledermäuse mit der K-Strategie: wenig Nachwuchs, nur etwa eines im Jahr, das aber gut geschützt wird. Dadurch baut sich der demolierte Bestand nur sehr langsam wieder auf.
Umso wichtiger ist es, die aktuelle Population zu schützen. Dies gehört auch zu den Aufgaben des Blaubeurener Höhlenvereins, in dessen Höhlen sich viele Fledermäuse zum Überwintern zurückziehen. Mit ihren gut 2.600 Höhlen ist die Schwäbische Alb das höhlenreichste Gebiet Deutschlands und damit ein enorm wichtiger Rückszugsraum für Fledermäuse. In der Sontheimer Höhle beispielsweise wurden 13 verschiedene Fledermäuse nachgewiesen, mehr als 1.000 Exemplare halten dort Winterschlaf. Aber auch in fast allen anderen Höhlen der Alb lassen sich die Tiere beobachten.
Im Winterschlaf bilden Fledermäuse große Kolonien mit mitunter tausend Tieren, die ihre Körpertemperatur auf etwa vier Grad senken. Wenn sie aus dem Winterschlaf erwachen, benötigen sie so viel Energie, dass es ihr Leben kosten kann. Daher schließt der Verein die Höhlen in der Winterzeit und betritt sie nur auf leisen Pfoten, um den Bestand zu zählen.
Auch der NABU Schleklingen betreut seit 1993 zwei Fledermaus-Winterquartiere im nahen Blaubeuren-Gerhausen, wo Langohr-, Wasser-, Breitflügel- und Zwergfledermaus sowie das Große Mausohr überwintern.
Für den übergeordneten Schutz ist in Baden-Württemberg die Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Baden-Württemberg e.V. (AGF BW) zuständig – eine anerkannte Naturschutzvereinigung mit knapp 600 ehrenamtlichen Mitgliedern, die seit 2017 offiziell bei Planfeststellungsverfahren und Naturschutzverordnungen mitwirken darf. Die Vorsitzende Ingrid Kaipf sitzt in Tübingen, wo auch das „Flederhaus” – eine Anlaufstelle für verletzte und kranke Fledermäuse – zu erreichen ist. Die ehrenamtlichen Mitarbeitenden kümmern sich dort jährlich um mehr als 100 kranke oder verletzte Tiere.




