Editorial für Ausgabe 2
Über Rinder, Menschen und das Richtige tun: EInige Gedanken zur Veröffentlichung der zweiten Ausgabe.
Liebe Leserinnen und Leser,
diesmal geht’s um Rinder. Die großen, gemütlichen, gutmütigen Tiere, die al-
lein dadurch, dass sie da sind, jedes mausgraue Dorf zur süddeutschen Idylle
machen.
Die Recherche führte mich auch zu einem Lebenshof in Obermarchtal. Als
ich zurückfuhr, war ich ungewöhnlich bewegt, zugleich gerührt und entsetzt.
Auf der einen Seite wegen Ludwig, einem Kalb, das begeistert schleckte, tollte,
schmuste und die Zitzen seiner Mutter jagte. Es war rührend, Ludwig zu sehen
– aber es machte auch begreifbar, was es für ein Verbrechen ist, das fast allen
anderen männlichen Milchkälbern angetan wird: Man karrt sie nach Holland,
in dunklen, engen Transportern, in die Kälbermast, auf Eisenmangel, damit
das Fleisch weiß bleibt; oder man fährt und schifft sie bis nach Saudi-Arabien,
halb verdurstend, in grausamer Hitze, um dort geschächtet zu werden. Ludwig
dagegen – er hat einen Namen und eine Zukunft, und das ist wunderbar, macht
aber alles noch viel entsetzlicher, und man weiß nicht mehr, ob man vor Freude
oder Trauer zittert …
Aber nicht nur das berührte mich. Auch die Menschen: Sabine vom Verein
Lebenshilfe Kuh und Co., ihr Mann Hubert, der vergnügt Brot und Äpfel ver-
fütterte, Peter K. der Landwirt, der auf Lebenstierhaltung umgestiegen ist, seine
Frau, die ihn dabei ermutigt und stützt. Diese Menschen haben sich irgendwann
entschieden, das Richtige zu tun. Sie haben einen Preis dafür bezahlt und opfern
sehr viel Zeit. Doch sie strahlen eine ruhige, friedliche Freude aus. Sie können
die Welt nicht heilen – aber sie können sie für einige Wesen in Ordnung bringen.
Das allein ist mehr Belohnung als jeder finanzielle Segen.
Dies zieht sich übrigens durch unsere Arbeit: Wir treffen Menschen – Gastro-
nomen, Tierschützer, Wissenschaftler, Politiker, Tierärzte, sogar Anwälte und
Unternehmer – für die es am wichtigsten ist, das Richtige zu tun. Und Sie, liebe
Leserinnen und Leser, werden sie kennenlernen.
Viel Spaß mit dieser prallvollen Ausgabe wünscht Ihre
Vegionale-Redaktion
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