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Führungswechsel im Ulmer Tierheim
Moritz Steiger führt jetzt den Trägerverein des Ulmer Tierheims. Er folgt auf Dagmar Kaufmann-Widder, die den Verein seit 2002 geleitet hat. Seine erste Baustelle sind die Fundtierverträge.
Nach 24 Jahren an der Spitze hat Dagmar Kaufmann-Widder den Vorsitz des Ulmer Tierschutzvereins abgegeben. Ihr Nachfolger Moritz Steiger, ein IT-Unternehmer, übernimmt ein saniertes, gut ausgestattetes Tierheim und will die Kommunen bei den Fundtierkosten stärker in die Pflicht nehmen.
Genau genommen hat nicht das Tierheim gewählt, sondern sein Träger: der Tierheim und Tierschutzbund Ulm/Neu-Ulm und Umgebung e.V.. Auf seiner Mitgliederversammlung am 28. Mai 2026 im Ulmer Bantleon-Forum wählten die Mitglieder Moritz Steiger für drei Jahre zum 1. Vorsitzenden; er setzte sich gegen einen Gegenkandidaten durch. Rosita Schauber bleibt 2. Vorsitzende, neu im ehrenamtlichen Vorstand sind Schatzmeister Philipp Wachtel und Schriftführerin Lilli Arndt. Ganz reibungslos lief der Abend laut Südwest Presse nicht: Einige Mitglieder fühlten sich vor der Wahl beeinflusst, kritisiert wurde zudem, dass der neue Schatzmeister in Steigers IT-Firma arbeitet.
Der IT-Unternehmer ist dem Verein seit Langem verbunden: Sein IT-Systemhaus aus Schelklingen setzt die Internetseite des Tierheims technisch um, so steht es schon seit Jahren im Impressum. Steiger löst Dagmar Kaufmann-Widder ab. Sie war ab 1999 2. Vorsitzende und hat den Verein laut Vereinschronik seit 2002 als 1. Vorsitzende geführt. Zur Wahl trat sie nicht mehr an.
Vom Schuldenberg zum modernen Tierheim
Kaufmann-Widder übernahm einen Verein in Schieflage. Laut Südwest Presse drückten Schulden von 160.000 Mark, zeitweise stand sogar die Gemeinnützigkeit auf dem Spiel. Mit Sparen, Spenden, einer Erbschaft und vor allem mit der Unterstützung von Drogerie-Unternehmer Erwin Müller (laut Zeitung vier Millionen Euro) wurde das Tierheim im Örlinger Tal saniert und ausgebaut. Entstanden sind ein neues Hundehaus mit Außenzwingern, ein Kleintierhaus, Quarantänestationen für Hunde und Katzen, eine Vogelvoliere und ein neues Verwaltungsgebäude. Die Zeitung nannte das Ergebnis 2021 „einzigartig im Land“. 2023 erhielt Kaufmann-Widder die Ehrennadel des Landes. Heute stehen dem Verein mehr als 6.000 Quadratmeter zur Verfügung. Er versorgt im Jahr über 1.000 Tiere und nimmt als Vertragspartner Fund- und Verwahrtiere aus Ulm, Neu-Ulm und dem Alb-Donau-Kreis auf.

Was seit dem Sommer passiert ist
Der Standard lässt sich nur halten, wenn die Kosten gedeckt sind, und genau da setzt Steiger an. Im Oktober überraschte er den Langenauer Gemeinderat: Der Verein hat den Fundtiervertrag mit der Stadt zum 27. Februar 2027 gekündigt. Bisher zahlte Langenau einen Euro pro Einwohner plus Umsatzsteuer. Künftig will der Verein laut Südwest Presse keine Pauschalen mehr, sondern die Kosten je Tier abrechnen. Als Richtwerte nannte er 563 Euro für einen Hund, 336 Euro für eine Katze und 150 Euro für ein Kleintier, weitere Kosten kämen hinzu. Das Problem kennen viele Tierheime: Nach Angaben des Deutschen Tierschutzbunds sind die meisten Fundtierverträge nicht kostendeckend, den Rest zahlen die Vereine aus eigener Tasche.
Gleichzeitig ist das Haus voll. Ende September warteten 102 Katzen auf ein neues Zuhause, 78 davon im Tierheim und 24 in Pflegestellen. Darunter waren viele Jungtiere, aber auch sechs Senioren. Als Gründe nennt die Zeitung die stockende Vermittlung in den Ferien und mehr unkastrierte Freigänger. Im August suchte das Tierheim außerdem eine Tierpflegerin oder einen Tierpfleger für die Hundeabteilung.

So kann man helfen
Für die laufenden Kosten ist der gemeinnützige Verein auf Spenden angewiesen. Wie man spenden, Pate werden oder Mitglied werden kann, steht auf der Internetseite des Tierheims Ulm. Gezielte Spendenprojekte gibt es auf betterplace.org. Wer ein Tier aufnehmen möchte, findet die Tiere zur Vermittlung online; Besuchszeit ist Freitag bis Sonntag von 14 bis 16 Uhr im Örlinger-Tal-Weg 40. Ehrenamtliche werden zum Beispiel als Gassigänger gebraucht. Für die Tombola beim Weihnachtsfest am 6. Dezember sucht das Tierheim gerade Sachspenden.

