Tierschutz, Ernährung und Gesundheit in Ulm, Neu-Ulm und Günzburg

AUS DER PRAXIS

Rinderhaltung und Schlachtung im Stadtkreis Ulm

Gemessen an der Zahl der gehaltenen Rinder gehört der Stadtkreis Ulm zu den kleinsten Kreisen Baden-Württembergs. Ganz anders sieht es bei der Anzahl der Schlachtungen aus.

 ·  Regionales Tiere in der Region  ·  9. October 2026  ·  Aus Ausgabe 2/2026, S. 29

Hier endet das Leben der Ulmer Rinder: der Schlachthof im Donautal. Bild von Vegionale.

Ulm liebt seine Rekorde und schiefen Häuser. Weniger stolz dürfte die Stadt auf eine andere rekordverdächtige Asymmetrie sein: In kaum einem Kreis des “Ländle” leben so wenig Rinder – und in kaum einem sterben so viele.

Der Grund für dieses Missverhältnis liegt darin, dass Ulm einerseits ein sehr urbaner Kreis ist – und andererseits im Donautal einer der größten Schlachthöfe Süddeutschlands steht, wo jährlich etwa 100.000 Rinder sterben.

Die etwas unter 1.000 Rinder des Stadtkreises verteilen sich auf die Ortsteile im Norden, Süden und Osten. Die Haltungsbedingungen unterscheiden sich zwar, sind aber überwiegend unschön: Freilandhaltung ist sehr selten, Laufställe sind zwar in der Mehrheit, doch die Anbindehaltung, die eigentlich als Auslaufmodell und Tierqual gilt, wird immer noch relativ häufig praktiziert.

„In den Ortsteilen des Stadtkreises Ulm, beispielsweise in Lehr, Jungingen, Eggingen, Einsingen, Gögglingen, Donaustetten und Unterweiler, gab es früher viele Vollerwerbslandwirte am Stadtrand“, erzählt Manfred Chaloun, Abteilungsleiter beim Veterinäramt der Stadt Ulm. „Sie führten ihre Rinder auf die Weiden. Heute werden viele Höfe nur noch im Nebenerwerb betrieben, und an den Ortsrändern sind Wohngebiete, Gewerbeflächen oder Verkehrswege entstanden.“

Das Wachstum der Stadt hat die Weidehaltung schwieriger gemacht als noch im 20. Jahrhundert. Zwar können Landwirte ältere Anbindeställe, die Haltungsstufe 1 entsprechen, zu modernen Laufställen aufrüsten. Dafür gibt es auch Förderprogramme des Landes Baden-Württemberg. Dennoch ist der finanzielle Aufwand hoch, oft zu hoch für Landwirte im Nebenerwerb. Zudem vergeht zwischen Planung und Umsetzung meist viel Zeit, oft Jahre.

Chaloun und sein Team sorgen dafür, dass sich die Rinderhalter an den Tierschutz halten. Sie führen in den Ställen regelmäßig umfangreiche Kontrollen durch, von der Luftqualität im Stall über die Frischwasserversorgung zum Gesundheitszustand der Tiere. Dabei stellen sie trotz der an sich sehr kooperativen Landwirte immer wieder Mängel und Beanstandungen fest. Besonders häufig betrifft dies die Klauenpflege. „Die Klauenpflege wird des Öfteren vernachlässigt. Das liegt auch daran, dass die spezialisierten Dienstleister nur begrenzte Kapazitäten haben. Ungepflegte Klauen können schmerzhafte Entzündungen verursachen“, erklärt Chaloun.

Die Überwachung endet nicht auf den Höfen. Auch im Schlachthof Ulm-Donautal kontrollieren Mitarbeiter des Veterinäramtes jeden Schritt des Prozesses. Die Kontrollen beginnen bereits beim Transport der Tiere und umfassen Gesundheitsuntersuchungen der lebenden Rinder sowie Untersuchungen von Organen nach der Schlachtung.

Vor der Schlachtung werden Rinder mittels Bolzenschuss betäubt, wodurch sie in einen komatösen Zustand versetzt werden. Anschließend erfolgt die Schlachtung. Der größte Teil des Fleisches gelangt in den Lebensmittelkreislauf für den menschlichen Verzehr. Teile, die in Deutschland von Menschen kaum nachgefragt werden, etwa Blase oder Mägen, werden unter anderem zu Tierfutter verarbeitet.

Die Arbeit der Veterinäre zeigt den hohen Aufwand, der betrieben wird, um Tierschutzstandards entlang der gesamten Produktionskette durchzusetzen. Gleichzeitig stoßen die Behörden an Grenzen, meint Chaloun, die durch wirtschaftliche Rahmenbedingungen geprägt sind: Tierwohlmaßnahmen verursachen Kosten – doch die Verbraucher erwarten günstige Fleischprodukte. Hier einseitig auf Landwirte und Veterinäre zu zeigen, greift zu kurz.

Für Manfred Chaloun gehört deshalb auch ein bewusster Umgang mit Lebensmitteln zum Respekt vor den Tieren. Lebensmittelverschwendung empfindet er als Missachtung der Ressourcen und des Aufwands, der in der Haltung, in der Kontrolle und Verarbeitung der Tiere steckt.

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