NACHGEFORSCHT
Die Rinder der Region
Wie viele Rinder leben in der Region – und, vor allem: Wie leben sie? Die Vegionale hat nachgeforscht und einiges herausbekommen.
Es ist nicht ganz einfach, viel über die Rinder in der Region zu erfahren. Immerhin informieren die Veterinärämter bereitwillig über die präzise Anzahl der Tiere in der Region.
Im Alb-Donaukreis leben 46.098 Rinder, davon 15.436 Milchkühe. Ähnlich im Landkreis Günzburg, mit rund 40.000 Rindern, davon etwa 13.000 Milchkühe. Im Landkreis Neu-Ulm leben dagegen nur 19.500 Rinder, und in Ulm etwas weniger als 1000.
- Alb-Donau-Kreis: 46.098 — davon 15.436 Milchkühe
- Landkreis Günzburg: rund 40.000 — davon etwa 13.000 Milchkühe
- Landkreis Neu-Ulm: 19.500 — Milchkühe nicht beziffert
- Stadt Ulm: unter 1.000 — Milchkühe nicht beziffert
| Alb-Donau-Kreis | 46,098 Rinder |
|---|---|
| Lkr. Günzburg | 40,000 Rinder |
| Lkr. Neu-Ulm | 19,500 Rinder |
| Stadt Ulm | 950 Rinder |
Quelle: Auskünfte der Veterinärämter, 2026
| Alb-Donau-Kreis | 15,436 Milchkühe |
|---|---|
| Lkr. Günzburg | 13,000 Milchkühe |
Quelle: Auskünfte der Veterinärämter, 2026
Für den Landkreis Neu-Ulm und die Stadt Ulm liegen keine getrennten Zahlen zu Milchkühen vor. Im Alb-Donau-Kreis ist jedes dritte Rind eine Milchkuh (34 Prozent), im Landkreis Günzburg etwa jedes dritte (33 Prozent).
Über die Betriebsgrößen dagegen gab nur die Günzburger Veterinärin Barbara Gneiser-Schupp Auskunft: Betriebe unter 20 Tieren sind eine Minderheit, über 150 Tiere sind selten. Die meisten Rinder leben in den Herdengrößen dazwischen. Der größte Einzelbetrieb im Landkreis Günzburg hält etwa 350 Milchkühe.
Weidegang eher selten
Auch bei den Haltungsformen haben wir eher vage Auskünfte erhalten. Die als besonders artgerecht geltende Mutterkuhhaltung, bei der die Kuh nicht gemolken wird, sondern ihr Kalb mit eigener Milch versorgt, findet meist „extensiv“, also auf der Weide statt, erklärt Frau Gneiser-Schupp, oft mit besonderen Rinderrassen, die für diese Haltung geeignet sind – wie Galloways oder Schottische Hochlandrinder.

Der typische Weidegang sei im Landkreis nicht besonders häufig, meint die Veterinärin, auch wenn man immer wieder Rinder auf der Weide antrifft, je tiefer man in den Landkreis hinein reist. Ähnlich verhält es sich in den anderen Landkreisen der Region.
Häufiger sind Ställe. Gerade an den großen Betrieben lobt die Veterinärin die modernen Ställe: „Das sind Laufställe, in denen sich die Rinder ihre Boxen selbst aufsuchen und oft Zugang zu Freifläche haben.“ Der technische Fortschritt, etwa Melkroboter, die die Kühe selbst ansteuern, helfe dem Tierwohl weiter. Auch das Veterinäramt des Alb-Donau-Kreises nennt „Boxenlaufställe mit oder ohne Laufhof“ eine verbreitete Form der Milchkuhhaltung. Mastrinder leben dagegen „vorrangig in Tiefstreu-, Tretmist- und Kompostierungsställen und vereinzelt noch in Boxen auf Betonspalten mit Liegeflächen.“

Ein weiter Weg zum Tierwohl
Fast alle, mit denen wir geredet haben, halten die Anbindehaltung für ein Auslaufmodell, für, so das Veterinäramt des Alb-Donau-Kreises, „nicht mehr zukunftsfähig“. Dennoch muss die Region noch einen sehr weiten Weg gehen, um diese Halteform hinter sich zu lassen.
Zwar machen die Veterinäre keine konkreten Angaben zur Häufigkeit. Aber die Berichte des Landeskontrollverbands (LKV) sind sehr transparent. In Baden-Württemberg leben noch 21,3 Prozent der Milchkühe in Anbindehaltung. In Bayern nutzt jeder zweite bis vierte Betrieb diese Haltungsform.

Es spricht wenig dafür, dass es in den Landkreisen der Region anders ist. Vor allem in kleineren Höfen in den dörflichen und städtischen Zentren, wo wenig Platz ist, um den Stall zu modernisieren, ist die Anbindehaltung oft Standard. Das Veterinäramt des Alb-Donau-Kreises erklärt, warum: Die modernen, tierwohlfreundlicheren Haltungsformen sind „mit einem höheren Arbeitszeitbedarf sowie deutlich höheren Investitions- und laufenden Betriebskosten verbunden.“
Es sei daher entscheidend, „ob entsprechende Produkte im Lebensmitteleinzelhandel tatsächlich nachgefragt und abgenommen werden.“ Die Entscheidung liegt also nicht allein beim Landwirt, sondern auch beim Verbraucher. Auch dies haben wir von verschiedener Seite gehört.
Die Haltung hinterlässt ihre Spuren
Dabei ist die Anbindehaltung nicht die einzige Ursache von tierischem Leid. Gerade Milchkühe sind oft auf eine extreme Leistung hochgezüchtet. Im Alb-Donau-Kreis finden sich mehrere Rekord-Milchkühe, die mehr als 13.000 Liter Milch im Jahr produzieren. Frau Gneiser-Schupp vergleicht dies mit „Leistungssport“, der natürlich seine Spuren hinterlässt. „Das Tier hat dadurch nicht automatisch eine geringere Lebensdauer, jedoch fordert die hohe Milchleistung den Organismus. Ich kenne auch Milchkühe, die 20 Jahre alt geworden sind. Aber in der Regel wird das Tier aus der Milchproduktion genommen und geht in den Lebensmittelbereich hinein, wenn es den Anspruch an den Stoffwechsel nicht mehr bewältigt.“

Alt werden Rinder in der Region selten. Mastrinder werden in der Regel nach 17-20 Monaten geschlachtet, Milchkühe werden nach drei bis vier Laktations-Perioden, im Alter von etwa fünf Jahren, ebenfalls zum Lebensmittel. Das Veterinäramt des Alb-Donau-Kreises bestätigt dies: Der Großteil der Rinder ist jünger als zwei Jahre; gerade mal 2939 Rinder im Alb-Donau-Kreis sind älter als zwei, davon nur 386 männlich. Bullen leben selten lange.
Trotz des geringen Alters zeigt ihr Gesundheitszustand die hohe Belastung. „In allen Haltungsformen finden wir bei Milchkühen Entzündungen des Euters und des Geburtssystems. Das liegt vor allem daran, dass die Tiere rund um die Geburt empfänglicher für Infektionen sind,“ erklärt die Tierärztin Julia Querengässer vom Kuh Zentrum Babenhausen. „Oft finden sich auch Liegeschwielen bei Rindern im Anbindestall.“

Der LKV-Bericht bestätigt dies für Baden-Württemberg. Bei den rund 250.000 Rindern im Ländle wurden 2024 fast 66.000 Diagnosen gestellt. Die meisten davon betrafen den Bewegungsapparat, den Euter oder den Stoffwechsel – Erkrankungen, die in unmittelbarer Beziehung zur Haltungsform stehen.
Allerdings widerspricht Frau Querengässer einer pauschalen Kausalität von Haltungsform und Gesundheit. „Das ist oft ein Kurzschluss. Moderne Laufställe sind für die Tiere oft besser als viele ältere zugelassene Bioställe. Manche Medikamente sind im Biobereich nicht erlaubt, und wenn dann eine Colimastitis ausbricht“ – eine bakterielle Entzündung des Euters – „stehen die Biowirte vor der Wahl, vor der Entzündung aufzugeben oder den Biostatus zu riskieren.“
Es ist also, alles in allem und so oder so, kein Jackpot, ein Rind in der Region zu sein.
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