BÜFFEL, RINDER & CO.
Landschaftspfleger auf Klauen
Rinder sind von Natur aus Landschaftspfleger. Im Donaumoos macht man sich das zunutze.
Rinder sind von Natur aus Landschaftspfleger. Sie fressen Gräser und Triebe junger Büsche, und schaffen so den Lebensraum, den sie benötigen: die offene Graslandschaft. Diese ist nicht nur ihnen eine Heimat, sondern auch vielen weiteren Tieren und Pflanzen.
Leider wurden offene Wiesen selten. Sie verbuschen und verwalden oder verschwinden zunehmend aus der Landschaft. Daher versuchen Naturschützer, sie zurückzugewinnen – und Rinder und Büffel sind dabei unersetzlich. Sie erfüllen die Aufgabe eines Rasenmähers, brauchen dabei keinen Strom und metzeln keine Igel oder Vogelnester, erreichen aber problemlos Orte, an denen Rasenmäher scheitern.
Ein Beispiel dafür ist das Donaumoos.
Perfekt gemacht für diesen Job
Das Schwäbische Donaumoos zwischen Leipheim und Langenau hat eine mystische Aura. Über den Wiesen hängt eine feuchte Luft, tote Bäume recken sich in den Himmel, und überall flattert, summt und singt es. Es ist immer ruhig, aber niemals still.
Das war nicht immer so. Im 19. Jahrhundert wurde das Moor zunehmend entwässert, um Torf zu gewinnen und die Flächen landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Erst in den letzten Jahrzehnten rückte der Wert der Moore als Lebensraum, Wasserspeicher und Kohlenstoffsenke wieder stärker ins Bewusstsein. „Seit 2011 vernässen wir das Leipheimer Moos. Heute weist es wieder deutlich moortypischere Habitate auf und bietet vielen seltenen Pflanzen- und Tierarten einen Lebensraum“, erzählt Anja Schumann, stellvertretende Vorsitzende der ARGE Donaumoos.
Ohne Wasserbüffel wäre das kaum möglich. Würde man das Moor sich selbst überlassen, würde es bald verbuschen und schließlich zum Wald werden – und Rasenmäher haben auf dem sumpfigen Boden keine Chance. „Also haben wir einen Landwirt überzeugt, einige Flächen mit Büffeln zu beweiden.“ Rund 70 Wasserbüffel grasen auf über 100 Hektar, dazu noch einige kleine Dexter-Rinder und Exmoor-Ponys. „Die Tiere ergänzen sich. Jedes hat seine eigenen Vorlieben und Methoden, Pflanzen zu fressen.“
Die Wasserbüffel eignen sich bestens für diese Aufgabe: Indem sie weiden, halten sie die Landschaft offen und schaffen eine vielfältige Struktur aus unterschiedlich hohen Vegetationsbereichen. Ihre Tritte und Suhlen erzeugen offene Bodenstellen und Kleingewässer, in denen sich viele Tierarten wohlfühlen, ihre Hinterlassenschaften bilden den Lebensraum vieler Insekten, die wiederum Vögeln als Nahrung dienen. Und als Bonus fressen die Büffel invasive Arten, wie das indische Springkraut, ehe es die heimischen Arten verdrängt.
Aber auch diese Beweidung kommt nicht ohne „Management“ aus. Anders als in natürlichen Wildnisgebieten regulieren sich die Bestände in der Kulturlandschaft Donaumoos nicht von selbst. „Wir müssen die Population kontrollieren und die Herdengröße an die verfügbare Fläche anpassen. Wenn es zu eng wird, kommt es zu Konflikten“, erklärt Frau Schumann.
Die Büffel werden, kurz gesagt, geschlachtet, in der Regel Jungbullen im Alter von zwei Jahren. „Sie werden auf der Wiese mit Schalldämpfer geschossen. Die anderen schauen nur kurz auf, dann grasen sie weiter.“ Das Fleisch wird verkauft, das gehört zum Betriebskonzept. „Wirtschaftlich leistet der Fleischerlös aber eher ein Taschengeld. Zum größten Teil wird die extensive Bewirtschaftung durch die Förderprogramme für Naturschutz finanziert.“
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