Tierschutz, Ernährung und Gesundheit in Ulm, Neu-Ulm und Günzburg

BEI BLAUBEUREN

Urzeit-Rinder auf der Urzeitweide

In einem überwiegend stillgelegten Steinbruch bei Blaubeuren liegt die Urzeitweide. Hier trifft man auf Taurusrinder und Konik-Pferde.

 ·  Regionales Tiere in der Region  ·  9. October 2026  ·  Aus Ausgabe 2/2026, S. 32, 33

Bildrechte bei Sven Wolf.

Einen Katzensprung von Ulm entfernt, in der Gegend um Blaubeuren, findet man sich in einer Westernkulisse wieder: Kalksteinwände ragen senkrecht hinauf, mit scharf gezeichneten Sedimenten, während auf dem trockenen Boden nur stoppeliges Gras und karge Büsche wachsen.

Vor dieser Kulisse wirkt es fast normal, dass plötzlich eine Herde Taurusrinder aufmarschiert. Die schlanken, selbstbewussten und sauberen Tiere folgen ihrer Leitkuh. Sie registrieren die Besucher und halten Abstand, vorsichtig, aber ohne Scheu. Man merkt, dass man sich in ihrem Revier befindet.

Bildrechte: Sven Wolf

Wir fahren mit dem Auto durch die Uhrzeitweide. Unser Führer, Karlheinz Jungbauer, warnt unseren Fotografen Sven Wolf, immer in der Nähe des Autos zu bleiben und stets die Türe offen zu lassen. Denn wenn sie Kälber haben, können sich die Rinder rasch bedroht fühlen und auch mal aggressiv werden. Wir fühlen uns wie auf Safari.

Bildrechte: Sven Wolf

Herr Jungbauer arbeitet bei Heidelberg Materials und ist Handlungsbevollmächtigter der Urzeitweide. Der Firma gehört der Steinbruch bei Blaubeuren. Er wurde überwiegend stillgelegt und würde, unter normalen Umständen, rasch verbuschen und verwalden und wäre dann kaum mehr von der üblichen Landschaft um Blaubeuren zu unterscheiden: dicht bewaldete Hänge und Schluchten.

Die Taurusrinder übernehmen hier den Job als Landschaftspfleger: Sie rupfen die Gräser und jungen Triebe von Büschen, so dass die Fläche offen bleibt. Sie bildet damit ein wertvolles Ökoreservoir für viele Pflanzen und Tiere, etwa Bodenbrüter, die unter anderen Umständen rasch verloren gehen würden – wie die Wasserbüffel im Schwäbischen Donaumoos.

Bildrechte: Sven Wolf

Das robuste Taurusrind ist eine Abbildzüchtung, die dem ausgestorbenen Auerochsen relativ nahe kommt. Als Milch- und Mastrind ist es wenig wertvoll, da es schlank bleibt und nur maßvoll Milch gibt. Aber es kommt gut mit den teilweise extremen Wetterbedingungen auf der Alb klar und bewegt sich trittsicher auch an steilen Hängen. Außerdem passt es gut zum urzeitlichen Flair der Gegend.

Bildrechte Sven Wolf

Für die Bullen der Herde hat der Spaß im Steinbruch aber leider relativ rasch ein Ende. Mit zwei bis drei Jahren werden sie geschossen, und ihr Fleisch bei einem lokalen Metzger verkauft. „Es würde sich ansonsten überhaupt nicht rechnen“, erklärt Jungbauer. Denn da Heidelberg Materials den Steinbruch ohnehin renaturieren und rekultivieren muss, bekommt das Unternehmen keine Fördergelder für Naturschutz.

Die meisten Rinder, die man im Steinbruch sieht, sind daher Kühe – die, immerhin, ein weitgehend artgerechtes und langes Leben führen dürfen, um die sie die anderen Milchkühe der Region sehr beneiden dürften.

Bildrechte: Sven Wolf.

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